Die deutschen Zeitungsverleger sind nicht nur die Besitzer ihrer Zeitungen, sondern gemeinschaftlich auch Besitzer der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die praktisch alle deutschen Zeitungen mit Nachrichten versorgt. Alle Bemühungen, die innere Struktur der deutschen Presse zu ändern, sollten deshalb die Deutsche Presse-Agentur mit einschließen.

"Eigentümer der dpa sind ausschließlich deutsche Zeitungsverleger und die deutschen Rundfunkanstalten", heißt es in einer Werbebroschüre der Agentur. "Sie gaben dem Unternehmen die Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Alle Zeitungsverleger und Rundfunkanstalten können Gesellschaftsanteile erwerben; der Rundfunk insgesamt nur zehn Prozent, ein einzelner Gesellschafter nicht mehr als ein Prozent des Gesellschaftskapitals.

Diese Regelung verhindert, daß die Mehrheit der Anteile je in die Hand weniger oder gar eines einzelnen gerät. Damit verfügt das Unternehmen über eine breite Grundlage und ist doch zugleich auf den Kreis derer beschränkt, die ein unmittelbares, ja lebenswichtiges Interesse daran haben, daß die dpa unabhängig ist und ihre Aufgaben objektiv und zuverlässig erfüllen kann.

Die Agentur wird von zwei Geschäftsführern geleitet. Ihnen im Range gleichgeordnet steht der Chefredakteur."

Dieser Selbstdarstellung ist nur wenig hinzuzufügen. Die Gesamtzahl der Gesellschafter beträgt zur Zeit etwas über zweihundert. Zu den Gesellschaftern gehören nicht nur Verleger von Tageszeitungen, sondern ebenso auch Verleger von Zeitschriften. Bedeutsam ist dagegen, daß die dpa einen Chefredakteur hat, der "vom Aufsichtsrat bestellt und abberufen wird und nur diesem verantwortlich ist. Seine Rechte und Pflichten sowie seine Vollmachten regelt der Anstellungsvertrag". Fritz Sänger, früherer Chefredakteur der dpa, schrieb Ende 1968 unter der Überschrift "Tatsachen sind heilig – Über die Freiheit von Nachrichtenjournalisten" über diesen Anstellungsvertrag, er habe vorgesehen, daß dem Chefredakteur der Agentur "die Leitung der Redaktion der dpa und die Verantwortung für alle redaktionellen Arbeiten (obliegt). Er ist der unmittelbare Vorgesetzte der in der dpa tätigen Redakteure und redaktionellen Mitarbeiter, unbeschadet der im Gesellschaftsvertrag dem Aufsichtsrat zugesprochenen Rechte. Die Auswahl der Person eines einzustellenden oder zu entlassenden Redakteurs der dpa kann von der Geschäftsführung nicht gegen die Auffassung des Chefredakteurs erfolgen".

Bedenkt man den Augenblick, an dem die Deutsche Presse-Agentur gegründet wurde, es war im Jahre 1949, dann kann uneingeschränkt eingeräumt werden, daß sich die Gründer von einem Ideal der freien Presse leiten ließen, das alle trüben Erfahrungen der Vergangenheit zu berücksichtigen schien. In diesem Augenblick konnte noch nicht sichtbar werden, daß sie damit zugleich auch die Fehler dieses Ideals übernahmen, weil sie den Blick ganz ausschließlich auf den Staat oder einzelne politisierende Verleger gerichtet hatten. Sie schütteten auf diese Weise aber das Kind mit dem Bade aus, denn durch die totale Privatisierung der Agentur schlossen sie nicht nur den Staat und die nach Majorisierung strebenden Standesgenossen aus, sondern zugleich auch die gesamte Öffentlichkeit.

Hier wird also ein Widerspruch zu dem Anspruch der Agentur deutlich, eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen. Denn ihr Partner ist nicht die Öffentlichkeit, sondern es sind die Zeitungsverleger und als Minorität auch die Rundfunkanstalten. Nicht was die Öffentlichkeit von der Nachrichtenagentur erwartet, nicht was die Leser der Zeitungen an Wünschen haben könnten, sondern das, was die kleine Gruppe der deutschen Zeitungsverleger als Aufgabe der Agentur sieht, ist für die Redaktion wie für die Geschäftsführung der Agentur verbindlich. In Abwandlung eines vielzitierten Wortes von Paul Sethe bedeutet dies nichts anderes, als daß die dpa so frei und unabhängig ist, wie ihre rund zweihundert Gesellschafter es wollen. Diese rund zweihundert Gesellschafter bestimmen selber, was unter der "Unabhängigkeit" der ihnen gehörenden Agentur zu verstehen ist.