Von Adolf Metzner

In dieser Woche vom 15. bis 21. September finden in Athen die neunten Europameisterschaften der Leichtathleten statt. In Turin 1934 begann es, vier Jahre später kam Paris, dann kam der Zweite Weltkrieg. 1946 traf man sich in Oslo wieder, 1950 in Brüssel, 1954 in Bern, 1958 in Stockholm und 1962 zum erstenmal in einem kommunistischen Land in Belgrad, vier Jahre darauf versammelten sich die besten europäischen Leichtathleten in einem Ostblockstaat in Budapest, und nun kommen sie am Ort der ersten Olympischen Spiele moderner Ära in Athen zusammen.

Wegen des inzwischen inszenierten Europacups, um den die besten europäischen Ländermannschaften kämpfen, wurde erstmals der nach olympischem Vorbild gewählte Vierjahresrhythmus durchbrochen, und bereits drei Jahre nach Budapest werden die 9. Europameisterschaften veranstaltet. In Zukunft ist an ein Intervall von nur zwei Jahren gedacht, alternierend mit dem Europacup.

Gegen die Veranstaltung in Athen ist in den nordischen Ländern wegen des Militärregimes in Griechenland Protest laut geworden. Eine Reihe sozialdemokratischer Zeitungen will keine Korrespondenten nach Athen schicken. Die Rundfunk- und Fernsehanstalten von Norwegen, Schweden und Dänemark haben einen Boykott der neunten Europameisterschaften beschlossen, während in Finnland die Eurovisionssendungen aus Athen ausgestrahlt werden. Politischer Zündstoff ist also vorhanden.

Wegen der langen Vorbereitungszeit solcher Veranstaltungen hat schon 1965 in Kopenhagen der Internationale Leichtathletik-Verband (I.A.A.F.) an die Vereinigung der Leichtathletik und Gymnastik-Klubs in Griechenland (S.G.E.A.S.) vergeben, zu einem Zeitpunkt also, wo die Junta noch nicht die Macht ergriffen hatte. Wie überhaupt die großen sportlichen Feste nicht Staaten oder Regierungen, sondern den entsprechenden sportlichen Organisationen zugeschlagen werden. Autoritär regierte Länder benutzen, wie es schon 1936 in Berlin der Fall war, das weltweite Echo solcher Veranstaltungen zur Aufpolierung des eigenen Staatsprestiges.

Auch in Athen hat die Regierung einen Drachmenbetrag in Höhe von 10 Millionen Dollar zum glanzvollen Gelingen der 9. Europameisterschaften beigesteuert. Zum größten Teil wurde dieses Geld zur perfekten Ausstattung des neuen Stadions mit allen technischen Möglichkeiten, nicht zuletzt für Presse, Funk und Fernsehen benutzt. Für 1200 Athleten sowie 800 Begleiter und Presseleute mußte Unterkunft bereitgestellt werden.

Das Karaiskaki-Stadion liegt in Neu-Phaleron zwischen Athen und Piräus und hat Sitzplätze für 40 000 Zuschauer.