Großbritannien rüstet auf das Zehnersystem um

Von Franz C. Widmer

Englands ehrwürdige Pfarrherren befürchten die Deflation, und sie kennen auch schon den Beginn jener unheilvollen Entwicklung: 15. Februar 1971.

ihre Ängste beruhen nicht etwa auf göttlicher Eingebung, sondern auf simpler Logik: an jenem schicksalhaften Tag verschwindet die halbe Krone, die Münze, welche heute 2 Shilling und 6 Pence gilt; in den Opferstöcken wird dann nicht mehr dieses Geldstück am stärksten vertreten sein, sondern die "10 New Pence" – mit einem Wert von nur noch zwei heutigen Shilling. Deflationsrate 20 Prozent...

Die Sorgen der Geistlichkeit sind also bei der englischen Vorliebe für "Ein-Münzen-Preise" (die wohl auch für Geldspenden gilt) durchaus berechtigt, und die Gottesdiener sind nicht die einzigen, welche mit bangen bis gemischten Gefühlen den 15. Februar 1971 erwarten, den Tag, an dem England einen weiteren Schritt hin zu einer "normalen" Nation machen will.

Es ist Englands zweiter D-Day. Im Jahre 1944 rüstete die ganze Insel auf "D", den längsten Tag, die Invasion der Normandie. Heute sind die Vorbereitungen nicht geringer, doch das "D" steht für etwas viel Friedlicheres – "Dezimalization". Aber manche Briten sprechen von einem "T-Day" – T für "Trouble", den Wirrwarr und das Durcheinander, das sie für Englands Entwicklung zur "Währungs-Zivilisation" erwarten.

In der Tat ist das Pfund Sterling eine der letzten Währungen, welche nicht nach dem Hundertersystem geteilt wird. Heute noch enthält es 20 Shillinge, was das Zählen, Rechnen und Umrechnen schon reichlich kompliziert. Obendrein stecken dann in jedem Shilling 12 Pence, so daß nach Adam Riese ein Pfund in 240 Pence aufgespalten wird.