Von Wolfram Siebeck

Einer muß es ja mal ausprobieren, hab ich mir gesagt. Selbstversuche dienen der Wissenschaft, und es warnt die Leute, wenn ich alles genau aufschreibe. Also habe ich mich umgehört, wo es das Zeug gibt. War einfacher, als an Hasch zu kommen, obwohl der doch längst nicht so schädlich ist. Ich bin in einen Laden gegangen, und als gerade kein Kunde da war, hab ich den Verkäufer herangewinkt und ihn leise gefragt: Haben Sie Stoff? Er sah mich ungerührt an und fragte bloß: Wollen Sie Schnaps oder Wein? Schnaps wirkt schneller, hab ich gehört, aber Wein ist genauso schädlich, weil die Schlucker soviel davon trinken. Ich ließ mir ein paar Flaschen einpacken und machte, daß ich nach Hause kam.

Mein Hausarzt, den ich vorsichtshalber informierte, untersuchte mich gründlich und riet mir, etwas dazu zu essen. Nein, keine Schokolade wie beim Hasch.

Jetzt ist es 19.30 und ich habe gerade das erste Glas getrunken. Es schmeckt irgendwie erfrischend und aromatisch, ohne süß zu sein. Riesling heißt das Zeug und ist überraschenderweise nicht aus der Türkei hereingeschmuggelt worden sondern aus dem Elsaß. Wirkung hat es keine auf mich. Vielleicht nehme ich es zu vorsichtig?

20.10: Die Flasche ist leer. Erste Entdeckung: Man wird durstiger je mehr man davon nimmt – Suchtgefahr?! Sonst ganz bekömmlich; vielleicht wegen der Forelle, die mir der Arzt dazu verschrieben hat.

20.19: Habe inzwischen von der zweiten Flasche probiert. Ist süßer als die erste, aber auch sehr angenehm. Marcobrunner Soundso steht drauf und soll vom Rhein kommen. Daß so ein gefährlicher Stoff hier in der Bundesrepublik gelagert wird!

20.51: Habe einen merkwürdigen aber nicht unangenehmen Geschmack im Mund. Muß vom Wein sein, Weinsein oder nicht Wein, fein, jedenfalls nicht fom Vasan, Berichtigung: vom Fasan. Gerade dritte Flasche geöffnet. Schlechte Konstruktion, gießt ungenau. Diesmal ist es rot, macht Flecken und heißt ich buchstabiere: Chateau Talbot mit einem Te. Entdecke, daß schon 15 Jahre alt. Hoffentlich nicht verdorben. Riecht und schmeckt eigentümlich aber eigentlich gut, doch. Versuche, für die Wissenschaft auf der Teppichkante entlang zu gehen. Finde dabei das Lammkotelett, das von meinem Teller verschwunden war sieben Jahr, wunderbar ... Kinder bitten mich nicht zu singen stört Fernsehn. Gehörn ins Bett und nicht auf wenn Erwachdene wissenfaftige Versuche am eigenen Körper betiehungsweise Leib

21.24: Die nächste Fasche ist dick und bedonders schödlich: Korken fliegt in Biesermeierstanfuhr: 21 Uhr und 35 Mimuten: Erdrotatition festgesteöt: Galileiha55e Recht: Sie beweft sixh doxh!