Am 2. Juni 1967 wird der Student Benno Ohnesorg tödlich von einer Kugel getroffen, die der Kriminalbeamte. Kurras unter bisher immer noch nicht restlos geklärten Umständen aus seiner Dienstpistole abfeuerte. Mit dem Tode Ohnesorgs springt der Funken der bis dahin in Westberlin lokalisierten Studentenunruhen auf das Bundesgebiet über, beginnt eine bis heute nicht abreißende Kette gewaltsamer Konfrontationen zwischen Studenten und Polizisten.

.Beide, Ohnesorg und Kurras, sind nicht, was bestimmte, interessierte Kreise aus ihnen zu machen versuchten; Ohnesorg ist nicht der langhaarige, faulenzende Berufsrevoluzzer und Kurras nicht unbedingt der eiskalte Agent einer terroristischen Staatsgewalt. Beide sind Menschen, die sich in einem doch immerhin recht ungewöhnlichen sozialen Feld begegneten. Sie sind die Protagonisten eines Dramas, das sich, wenn auch keineswegs ausschließlich, mit sozialpsychologischen Kategorien beschreiben läßt.

Dieses Drama von der psychologischen Seite her etwas aufzuhellen, machte sich eine Arbeitsgruppe des Marburger Instituts für Psychologie zur Aufgabe. Stereotype sind, unbesehen ihres Wahrheitsgehaltes, wichtige Gegenstände der Forschung, da sie neben anderen Bedingungen maßgeblich und nachhaltig das Verhalten in sozialen Situationen bestimmen.

Demonstrationen, bei denen sich Studenten und Polizisten – gewöhnlich mit unterschiedlicher Zielsetzung – gegenüberstehen, sind Schulbeispiele einer sozialen Situation, in der jeweils die einen als Wir-Gruppe sich von den anderen als Fremd-Gruppe absetzen. An Hand einer für die Marburger Universität repräsentativen Umfrage kann das Bild, das Studenten sich vom typischen Polizisten machen, in allen wesentlichen Zügen nachgezeichnet werden. Dieses Bild, das Heterostereotyp, dürfte eine der wesentlichen Ursachen für das hinlänglich bekannte Verhalten von Studenten bei Demonstrationen sein.

Schon ein flüchtiger Blick auf dieses Bild bestätigt den in der Sozialpsychologie immer wieder ermittelten Befund des kennzeichnenden Unterschieds zwischen Auto- und Heterostereotyp. Während Studenten sich selbst als besonders großzügig, offen, nachgiebig, progressiv und intelligent bezeichnen, sprechen sie all diese Eigenschaften den Mitgliedern der Fremdgruppe, den Polizisten also, ab; sie glauben gar, Polizisten am besten mit den entgegengesetzten Attributen kennzeichnen zu können.

Die Bedeutung des Vorurteils, das sich in diesem Hetereostereotyp des Polizisten ausdrückt, liegt nun vor allen Dingen darin, die Angst, die vor der fremden Gruppe empfunden wird – und die bei Demonstrationen sicherlich eine recht reale Grundlage besitzt –, zu beschwichtigen und zu lokalisieren, indem eine feste Urteilsschablone eindeutiges Handeln erlaubt.

Eine Handvoll Gammler...