Von Dietrich Strothmann

Die Nationaldemokratische Partei hat, gemessen an ihrer Niederlage bei der Bundestagswahl 1969, bereits fünf Jahre nach ihrer Gründung ihren Gipfelpunkt überschritten. Als einzige neue Partei, die sich Chancen ausrechnete, in den 6. Deutschen Bundestag einzuziehen, scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde. Alle Vorausberechnungen – die einiger Meinungsinstitute wie die der Parteigrößen – erwiesen sich als falsch: Die NPD blieb auf der Strecke.

Machte Adolf von Thadden zu Beginn des Wahlkampfes noch Zweckpropaganda mit einem Stimmengewinn von 8 bis 12 Prozent, so rechnete er sich zuletzt noch 6 bis 8 Prozent aus. Die Prognosen von 40 bis 75 Bonner NPD-Mandaten waren von Anfang an Wunschdenken.

Immerhin war noch am Wahlabend, nach der ersten Hochrechnung, ungewiß, ob die NPD nicht doch knapp die Hürde überspringen würde. Gegen 20 Uhr hieß es, der Ausgang des Rennens auf der Rechten sei noch offen; um 21 Uhr wurde eingeschränkt, es sei immerhin fraglich; erst eine Stunde später stand fest, Thadden bleibt draußen vor der Tür.

Einige Tatsachen und Ergebnisse gilt es dennoch festzuhalten. Sie beweisen, daß diese Partei auch nach dieser empfindlichen Niederlage noch nicht niedergerungen ist und daß es nach wie vor ein großes Reservoir von Rechtsradikalen in der Bundesrepublik gibt.

Von den 12 Parteien, die sich zur Wahl stellten, waren nur fünf mit Direktkandidaten in allen Wahlkreisen vertreten, darunter die NPD. Verglichen mit der Bundestagswahl 1965, wo sie ein Jahr nach ihrer Gründung bereits 2,1 Prozent der Stimmen für sich verbuchte, konnte sie diesmal ihren Anteil mehr als verdoppeln. Gegenüber den Landtagswahlen von 1966 bis 1968, wo ihr in sieben Ländern in 18 Monaten bereits annähernd 1,9 Millionen Wähler die Stimme gaben und sie 61 Landtagssitze gewann, hat sie an 28. September indessen fast die Hälfte wieder verloren. Die größte Einbuße erlitt sie in Bremen (um 4,4 Prozent) und in Baden-Württemberg (um 5,3 Prozent).

Danach hat die NPD allein im Saarland gegenüber 1965 mit 3,9 Prozent erheblich zugenommen. Über die Fünf-Prozent-Hürde kam sie in Hessen, Rheinland/Pfalz, Bayern (wo sie die höchste Zahl an Zweitstimmen erhielt) und im Saarland.