Selbst die für ihre Zurückhaltung bekannte „Neue Zürcher Zeitung“ nannte die Affäre ein „Delikt von einmaligem Ausmaß“. Und das ist der Spionagefall Frauenknecht wohl auch. Frauenknecht, Leiter des technischen Dienstes bei der Firma Gebrüder Sulzer AG in Winterthur (Monatsgehalt rund 3500 Franken), wird beschuldigt, seit dem Herbst 1968 in 20 Kisten streng geheime Pläne für die Herstellung von Triebwerken für das Kampfflugzeug „Mirage 3 S“ an israelische Agenten weitergeleitet zu haben. Vermittlerlohn: 860 000 Franken.

In den Spionagefall soll neben einem weiteren Schweizer als „dritter Mann“ auch der Deutsche Hans Strecker verwickelt sein; er soll die Kisten mit den Geheimplänen über die Grenze nach Deutschland transportiert haben. Da Strecker Verbindungen zur DDR hat, vermuteten Schweizer Zeitungen, die Mirage-Pläne seien nicht nach Israel, sondern in den Osten gebracht worden. Dafür könnte die Haltung der Schweizer Regierung sprechen: Sie hat bisher von erwarteten Protest an Israel abgesehen.