Von Wolf Wondratschek

Der Filmheld bindet sein Pferd fest, zieht den Hut in die Stirn und betritt langsam den Saloon. Der Filmheld geht langsamer als die anderen. Der Filmheld ist der Held des Films. Sofort räumt der Barkeeper die Whiskygläser von der Theke. An der Theke lehnen einige Männer. Die Männer lachen. Sie fragen den Fremden nach seinem Namen, aber der Filmheld bewegt sich nicht. Jetzt schaut der Filmheld zum erstenmal auf. Mit der einen Hand berührt er die Hutkrempe. Mit den beiden anderen Händen schießt er.

Es ist Mittag.

Die Männer haben den Fremden erkannt. Der Filmheld fragt den Barkeeper nach einem Zimmer. Am anderen Tag ist es sofort wieder Mittag. Gangster sterben in der Sonne; sie sterben immer wieder. Mexikaner lachen, bevor sie sterben. Der Gegner des Filmhelden stirbt zweimal. Das macht Spaß.

Irgendwann erscheint der Sheriff. Er erscheint auf der Bildfläche. Der Filmheld besteigt sein Pferd, er zieht seinen Hut in die Stirn. Zuletzt ist der Filmheld nur noch eine Staubwolke.

The End ist das Ende des Films.

(Die Geschichten solcher Filme wurden immer mehr zur Geschichte der Bilder solcher Filme. Neu waren diese Bilder nur als Bilder über Bilder, als optische Variation bereits bekannter, schon gesehener und erinnerter Bilder, als Abbilder, im besten Fall als deren Negation. Die Wiederholung wurde zur Methode. Und das wiederholte sich dann als Mode. Solche Filme zerstörten die Sehgewohnheiten nicht, sie machten diese am Genre deutlich. Das Vergnügen an solchen Filmen war das Vergnügen am Wiedererkennen der Bilder.)