Da schien es im letzten Augenblick doch noch kritisch zu werden, das müssen Sie mir glauben, rief der Kanzler emphatisch, als er in Appels Runde, Gleicher unter Gleichen, unbewiesene Behauptungen aufstellte. (Doch weil er seine Gewährsmänner partout nicht preisgeben wollte, tat’s, auch der Glaube nicht mehr.)

Da wurde – ein Zeichen der Unsicherheit – das alte Horazische Bild vom gefährdeten Staatsschiff beschworen – wehe, wenn der christliche Steuermann die Brücke verläßt und des Abendlands Flagge in den Wogen versinkt! –, da sagte der Kanzler: Meinen Freunden im Ausland habe ich erzählt, daß ich die Devisenbörse zu schließen gedächte, aber dem Schiller verschwieg ich’s, der redet im Wahlkampf so viel, und das darf er doch nicht.

Da inserierten deutsche Männer in „Bild“, die hießen von der Heydte und Pascual Jordan und riefen mit ihren Kumpanen nach dem Staat mit Zuchthaus und hehrer Moral, die ließen allesamt die schwarzweißrote Katze aus dem Sack und zeigten Thadden, was ’ne teutsche Harke ist: Wählt nicht die gewissen Parteien, stimmt rechts und schafft wieder Ordnung, ihr Leute.

Und als es dann soweit war, am Sonntag um 6, und Frau Noelle ihre Prophezeiungen analysierte (Rot knapp vor Schwarz, Braun ohne Chancen), als bäuerliche Gemeinden die ersten Ergebnisse brachten (bergab, bergab, die Staatspartei), da schien es um Kanzler, Jordan und „Bild“ tatsächlich geschehen.

Dann aber, es war 3 Minuten vor 7, wurde plötzlich die Trommel gerührt, beiläufig geschah es, fast nebenbei, Magister Wildenmann hob noch abwehrheischend die Linke, doch da war’s schon heraus, von diesem Körpertreffer wird sich der Gegner nicht mehr erholen, hieß es kurz vorher bei einer Sportreportage, da war es heraus, daß die Partei des Erfolges, wie der Kanzler sie nannte, am späteren Abend, auch dieses Mal wieder, so Rainer Barzel, vom deutschen Volk den Führungsauftrag erhalten hatte.

Sechs Punkte rangierten die volksbeauftragten Führer vor ihren Verfolgern: Was Wildenmann schwante, malte Rohlinger aus... 47,6 zu 41,1, es konnte toller nicht kommen. Schon gab der nimmermüde Scheel klein bei, schon meinte Generalsekretär Bruno Heck, die SPD hätte halt einen politischeren und nicht so einen Reklame-Wahlkampf aufziehen müssen: Schaut euch das Bild des Kanzlers an, ihr Sozialdemokraten, das ist politisch durch und durch, und wenn wir sagen, daß es auf ihn ankommt, dann kommt das an bei den Leuten!

Selbst Herr von Thadden gab sich elegisch, lieb Portugal, wie schön bist du, und was Herbert Wehner betrifft, der machte aus Worten kleine Granaten, er schoß und schimpfte auf die Pendelbrüder von der FDP und hatte die Heinemann-Wahl schon wieder vergessen.