Von Markus Windström

Mit einem "Rundschreiben an alle 75 bundesdeutschen Golfclubs" versucht der Präsident des Ringes Deutscher Makler, Carl C. Franzen, die Freunde des Managersports an Portugals südlichsten Strand zu locken.

"Besonders für die anspruchsvollen Mitglieder Ihres Clubs", schrieb Franzen den Clubvorständen, "wird an der Südküste Portugals, 18 Kilometer vom internationalen Flughafen Faro, ein weiträumiges, mit Pinien bewachsenes Gebiet erschlossen. Das Luxushotel Dona Filipa, ein 18-Loch-Championship-Golfplatz sowie erstklassige Tennisplätze sind bereits erstellt und in Betrieb genommen. Dabei ist der 6429 Meter lange Championship-Course durch ein entsprechendes Bewässerungssystem wohl der einzig ganzjährig bespielbare Parcours in einer so einmalig schönen und klimatisch hervorragenden Landschaft."

Anschließend gab der Makler-Präsident, der in Hamburg sein Gewerbe betreibt, noch einige politische Hinweise: "Das Gebiet liegt im südwestlichen Teil unseres Kontinents und damit weit abseits der politischen Spannungsgebiete zwischen Ost und West. Die Bevölkerung Portugals ist gegenüber Deutschen sehr aufgeschlossen."

Bisher allerdings beteiligten sich vorwiegend Engländer und Brasilianer an dem staatlich geförderten Projekt. Mit mehreren hundert Millionen Mark helfen sie, die landschaftlich reizvolle Provinz Algarve in eine Kolonie des gehobenen Fremdenverkehrs zu verwandeln. Selbst Brasiliens ehemaliger Präsident Juscelini Kubitschek investierte, wie ortskundige Immobilienhändler wissen, am Algarve-Spekulationsgestade.

Am rührigsten schaufelte jedoch der inzwischen verstorbene Brite Richard Costain, Chef eines weltweit engagierten Bau- und Hotelkonzerns, mit seinen Baukolonnen den stillen Strand um. Er hatte alle touristisch interessierten Küsten des Mittelmeers besichtigt, bevor er sich 1962 entschloß, die letzten südlichen Zipfel Portugals zu erwerben: Eukalyptus-, Pinien- und Fichtenwälder mit Sandstrand in der Nahe der kleinen Provinzstadt Faro. Sein Projekt läuft unter dem Landschaftsnamen "Vale do Lobo" (Wolfstal) und ist seit sieben Jahren "in Arbeit".

Als werbewirksamen "Aufreißer" ließ Costain den ehemaligen Golf-Weltmeister undDressman der Herrenjournale, Henry Cotton, für sich arbeiten. Cotton pflegte vor jedem Match seinen Rolls-Royce am 18. Loch zu parken, um nach dem Kampf gleich abrauschen zu können. Er entwarf im portugiesischen Wolfstal einen Parade-Golfplatz. Um das Sportzentrum entsteht jetzt neben einem Luxushotel eine Ferien- und Pensionärsresidenz, die einmal über tausend Häuser umfassen soll,