Sehr sehenswert:

Filme aus Japan

Das öffentliche Bewußtsein des Westens hat japanische Filme nur in dem Maße akzeptiert, in dem sie japanische mit abendländischen Traditionen des Denkens und der Kunst plausibel verknüpfen. Mit der filmischen Technik haben die Japaner früh schon Inhalte und Formen des westlichen Kinos angenommen. „In dem Ausdruck Japanischer Film‘ scheint mir das ‚Film‘ viel wichtiger zu sein als das ,japanisch’“, hat unlängst noch Roland Barthes beobachtet. Noch in „unjapanischen“ Filmen aus Japan ist aber ein asiatisches Kunstverständnis wirksam, das keinen Unterschied macht zwischen Kunst und Handwerk. Das läßt sie uns leicht als kunsthandwerklich erscheinen.

„Das Schloß im Spinnwebwald“ (1957), von Akira Kurosawa. Nachdem sie, synchronisiert, vor vier Jahren im Fernsehen zu sehen war, steht Kurosawas „Macbeth“-Verfilmung nun, auch im untertitelten Original, für Kinoaufführungen zur Verfügung. Shakespeare über Formen des No-Spiels dem japanischen Publikum nahezubringen, war erklärtes Ziel des Regisseurs: „Es ist der Film, bei dem ich am meisten vom No entlehnt habe: Dekors, Masken, Kostüme, Handlung, Regie. Ich könnte den Film Bild für Bild den Formen des No folgend analysieren. Im No drückt sich der Schauspieler durch ‚Omote‘ (die Maske, die äußere Stilisierung des Spiels) aus. Er verläßt sich vor allem auf diese Form äußerer Mimik, um eine dramatische Ausdruckssprache zu erreichen.“

Repertoire: Nach wie vor ist das Verleihangebot an Filmen der großen japanischen Regisseure äußerst dürftig. „Rashomon“ (1950, Original mit Untertiteln), „Einmal wirklich leben“ (1952, nur 16 mm synchronisiert), „Die sieben Samurai“ (1954, auch O. m. U.), von Akira Kurosawa (geb. 1910). Humanistische Themenstellung, sozialkritisches Engagement, didaktische Zielsetzung, dramatische Formensprache lassen Kurosawa westlichem Geist am meisten verwandt erscheinen. „Sansho dayu“ (1954, auch O. m. U. und 16 mm synchronisiert), von Kenji Mizoguchi (1898 bis 1956). Er war zweifellos der bedeutendste japanische Regisseur. Seine Filme sind Wanderungen ohne Beginn und Ziel, ohne Alternativen, in harmonischen Gegensätzen sich bewegend. „Abschied in der Dämmerung“ (1959), von Yasujiro Ozu (1903–1963). Er galt als der „japanischste“; seine Filme sind keine Werke, sein Werk ist eine Serie von kleinsten Variationen immergleicher Muster – ganz direkt gilt das auch für seine Einstellungen. „Sie und er“ (1964, nur 16 mm), von Susumu Hani (geb. 1930), „Das Insektenweib“ und „Verbotene Leidenschaft“ (beide 1964), von Shohei Imamura (geb. 1925). Die jungen japanischen Regisseure sind engagierte Realisten im westlichen Sinne. Bei Imamura findet Fernöstliches auf dem Umweg über Brecht wieder Eingang.

Im Fernsehen: „Ugetsu – Erzählungen unter dem Regenmond“ (1952), von Kenji Mizoguchi, BR III am 4. Oktober. „Abschied in der Dämmerung“ (1959), von Yasujiro Ozu, SWF III am 4. Oktober. „Die Samurai-Sippe der Taira“ (1955), von Kenji Mizoguchi, ARD am 7. Oktober. Leider ist auch das Fernsehen nicht abzubringen von dem barbarischen Unfug, japanische Filme synchronisiert zu zeigen. Es empfiehlt sich, den Ton ganz herunterzudrehen. Unsinnig wäre es, den Ozu und den zweiten Mizoguchi schwarzweiß zu sehen.

„Edipo Re – Bett der Gewalt“, von Pier Paolo Pasolini. „Accident – Zwischenfall in Oxford“, von Joseph Losey. „Das Doppelleben der Sister George“, von Robert Aldrich. „Jerry, der Herzpatient“, von George Marshall. „Circus“ (1928), von Charles Chaplin.