Kürzlich versammelten sich einige Genossen der Moskauer Propaganda-Zentrale Ausland kap. und Ausland soz., um aktuelle Berufsprobleme zu erörtern. Genosse Boris vom Deutschland-Dienst wirkte sehr nervös.

„Was machen Deine Revanchisten?“, fragte ihn Genosse Grigorij scherzhaft.

„Diese deutschen Wahlen“, seufzte der. „Früher mußten wir Sonderschichten einlegen. Seit dem Produktionsstopp kommt man sich plötzlich so überflüssig vor.“

Ein anderer ergänzte: „Ich erinnere mich... 53, 57, 61, es war strapaziös, aber es hat auch immer mächtig Spaß gemacht.“

„Damals kam es in unserem Beruf ja noch auf Phantasie und Talent an“, bemerkte der Genosse Igor verbittert.

„Talent“, sagte Genosse Ilja verächtlich, „wer fragt heute noch nach Talent?“ Ilja war ein Veteran, der noch die großen blutvollen Propaganda-Aktionen des Kalten Krieges mitgemacht hatte. „Was waren das für Zeiten, als ich 1948 die Jugoslawien-Abteilung aus dem Boden stampfen mußte“, erinnerte er sich nicht ohne Wehmut. „Damals mußte einem über Nacht etwas Vernichtendes zu Tito einfallen.“

„Und was ist Dir zu ihm eingefallen?“, fragte ein anderer.