Bei der Regierungsbildung in Bonn ist die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik mit allen ihren Teilbereichen ein Feld besonderer Anziehungskraft, aber auch ein Feld mit besonders notwendigen Absprachen und dadurch ein Feld bevorstehender Meinungsverschiedenheiten. Der Kreis der hier handelnden Figuren ist ziemlich genau abzustecken; er erstreckt sich in erster Linie auf Politiker der Unionsparteien und der Sozialdemokraten; die Freien Demokraten spielen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Dies ist das zwar erst auf den zweiten Blick auffallende, dennoch aber wohl erstaunlichste Ergebnis der Wahlen zum sechsten Deutschen Bundestag. Die FDP, dereinst als Unternehmerpartei bezeichnet und als Partei mit überdurchschnittlichen Interessen an der Wirtschaftspolitik hervortretend, wird in den kommenden Jahren auf diesem Gebiet nur mehr eine völlig untergeordnete Rolle spielen können.

Unter den handelnden Figuren ist der bisherige Bundeswirtschaftsminister Schiller die wichtigste, wichtiger noch als Franz Josef Strauß, dessen Interesse an Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik zweckbestimmter ist als das seines Gegenspielers bei den Sozialdemokraten. Schiller ist seiner Herkunft nach Spezialist mit sicherlich nicht geringem Interesse für alle anderen Bereiche der Politik. Strauß hingegen ist ein Mann, der sich zunächst für die großen Fragen der allgemeinen Politik interessiert und von da aus das ihm gerade zugewiesene oder zufallende Sachgebiet bearbeitet.

Schiller wird bei zwei der möglichen Koalitionen künftiger Wirtschaftsminister sein: Bei der Koalition SPD/FDP und bei einer Großen Koalition. Sein Programm ist in beiden Fällen klar:

1. ein Stabilitätsprogramm;

2. eine bessere Sicherung des Wettbewerbs;

3. eine verstärkte Strukturpolitik;