München Bis zum 31. Oktober, Galerie van de Loo: „R. B. Kitaj“

Die komplette Graphik von Kitaj, gut 50 Blätter aus den Jahren 1963 bis 1969, Blätter, die es dem Betrachter nicht leicht machen, schwer zu lesen und zu entziffern, und die sicher zum Intelligentesten gehören, was die zeitgenössische Graphik vorzuweisen hat. Kitaj ist Amerikaner, der die längste Zeit in Europa verbracht hat, er hat ein Jahr an der Wiener Akademie bei Paris Gütersloh studiert, ist gewissermaßen durch die Phantastische Schule des Realimus durchgegangen und hat dann bei der Pop Art hospitiert. Kitaj ist ein enorm gebildeter Mann. Es ist beängstigend, welche Menge von Zitaten, Buchtiteln, Photographien, Ideen er auf seinen Blättern unterbringt. Die Montagetechnik, die Verbindung von authentischem Photomaterial mit skripturalen und ornamentalen Elementen, rein malerischen Zutaten, dieser in den 60er Jahren überstrapazierte Stilmittel, hinter dem sich allzuoft nur graphische Einfallslosigkeit tarnt, wird als probates Instrument verwendet, um bestimmte Denkprozesse, Assoziationsreihen ins Bild zu übertragen. „World Ruin Through Black Magic“ oder „Revolt On The Glyde“ oder „Glue-Words“. Wort- und Bilderspiele, Bilderrätsel, jedes Detail hat einen gedanklichen Stellenwert. Ein Blatt von Kitaj ist eine Denkaufgabe, kein Wandschmuck, intellektuelle Graphik. Die Wanderausstellung hat in Berlin angefangen, bei Michael S. Cullen in der Galerie Mikro, der den Gesamtkatalog des graphischen Oeuvres für Kitaj mit der gleichen Sorgfalt gearbeitet hat wie vorher für Paolozzi (mit dem Kitaj befreundet ist und dem er künstlerisch nahesteht) und für Hockney. Von München geht die Ausstellung weiter nach Ludwigshafen. Gottfried Sello

Weiterhin im Programm:

Hamburg Bis zum 19. Oktober, Kunsthalle: „Meisterwerke der Graphik“

Die zweite Jubiläumsausstellung der Hamburger Kunsthalle, aus dem Eigenbestand des Kupferstichkabinetts, 40 Graphiker aus der Zeit zwischen 1450 und 1950, die der Graphik neue technische oder thematische Möglichkeiten erschlossen haben.

Oberhausen Bis zum 12. Oktober, Städtische Galerie Schloß Oberhausen: „B 1“

Die jüngste Künstlergruppe in der Bundesrepublik, die Mitglieder leben an der B 1, dem Ruhrschnellweg, den sie in eine Kunststraße quer durchs Ruhrgebiet umfunktionieren wollen. Die Ausstellung in Schloß Oberhausen macht es dem Besucher klar, daß ihre Arbeiten nur selten für Innenräume und erst recht nicht fürs Museum konzipiert sind.