Im ersten Teil unserer Serie hat General Steinhoff erzählt, wie nach einem aussichtslosen Einsatz seines Jagdgeschwaders in der Schlacht um Sizilien 1943 Reichsmarschall Hermann Göring befohlen hatte, die Kommandeure der Jagdgruppen wegen Feigheit vor ein Kriegsgericht zu stellen.

Herr General, ich melde Ihnen, daß meine Gruppenkommandeure bereit sind, sich einem Kriegsgericht zu stellen. Sie meinen, daß man den ‚Feigling pro Gruppe‘ schließlich nicht durch Würfeln bestimmen kann, und bestehen darauf, daß gegen sie ein Verfahren eingeleitet wird.

Ich hätte noch einiges Bittere hinzugefügt, aber er unterbricht mich mit einer heftigen Handbewegung. "Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollten nichts unternehmen! Der Gefechtsbericht über den Einsatz hat beim Zweiten Fliegerkorps einen guten Eindruck gemacht. Der Kommandierende General setzt sich mit Nachdruck dafür ein, daß der Befehl des Reichsmarschalls zurückgezogen wird."

"Dennoch kann er nicht ungeschehen gemacht werden, Herr General. Die Flugzeugführer sind tief getroffen und verletzt. Sie glauben, daß man sie nicht mehr versteht. Sie haben mir doch eben eine Vorstellung von der Übermacht vermittelt, auf die wir täglich treffen. Ich bin der Überzeugung, daß diese Quantität nur durch überlegene Qualität, verbunden mit dem entsprechenden Kampfwillen, aufgewogen werden kann. Aber unsere Jäger sind nicht mehr besser als die der Alliierten."

"Ich weiß, was Sie sagen wollen", antwortet der General in einem Ton, der Verständnis anzeigt. "Aber in einem mit Klugheit und Disziplin geführten Jagdkrieg wird immer noch das Glück und der Erfolg auf unserer Seite sein."

"Aber Menschen sind keine Maschinen, Herr General! Die Grenze der Leistung ist bei den meisten Flugzeugführern längst erreicht. Ich meine, es gibt moralische Maßstäbe, die nicht durch Befehle ersetzt werden können."