Von Heinz D. Stuckmann

Geärgert hat sie mich immer: die Beschilderung der Rheinufer-Straße in Köln, einer Durchgangsstraße (Bundesstraße 9, Bundesstraße 51) mit über einem halben Dutzend Namen, die mit den Zeitläuften wechseln; neuerdings ist auch etwas mit "Adenauer" darunter. Nicht die Namensänderungen ärgern mich, sondern die zahllosen Verkehrs- und Hinweisschilder: Gebot, Verbot, Fahrtrichtung, Geschwindigkeit; selbst die im amtlichen Schilderwald vorgesehenen Hinweistafeln "Campingplatz" fehlen nicht.

Das alles, behaupte ich, geht weit über das hinaus, was ein normales Gehirn registrieren kann: bei einer Grünen Welle zwischen "50" und "70", eingekeilt zwischen den Stoßstangen anderer Wagen und mit den großen Fernlastern zur Rechten, die ohnehin jede Sicht nach vorn rechts nehmen. Behauptung hin, Behauptung her: Vorige Woche habe ich es auf dem 5200 Meter langen Teilstück zwischen Theodor-Heuss-Ring (südliche Fahrbahn) und Bismarck-Säule (südliche Abzweigung) ausprobiert.

Den ersten Durchgang fuhr ich selbst: Fahrer Stuckmann, 28 Jahre Führerscheininhaber, unfallfrei, mit schon etwas nachlassender, aber wahrscheinlich immer noch überdurchschnittlicher Reaktionsfähigkeit. Ich fuhr so schnell, wie es die Verkehrsvorschriften und die Verkehrslage jeweils erlaubten, und kam bei mäßigem Verkehr auf einen Schnitt von 52 km/st. Dabei zählte ich 158 Verkehrsschilder aufs Tonband. Ich war mir hinterher darüber im klaren, daß ich einige Dutzend überhaupt nicht gesehen hatte. Vor allem die komplizierten graphischen Darstellungen der plötzlich auftauchenden Wegweiser konnte ich bei diesem Tempo nicht erkennen.

Den zweiten Durchgang fuhr: Fahrer Schmitz, 20 Jahre alt, knapp zwei Jahre im Besitz des Führerscheins und darum noch nicht so routiniert, zumal er kein eigenes Fahrzeug besitzt. Fahrer Schmitz fuhr die gleiche Strecke mit einem Schnitt von 24 km/st, denn er traute sich nicht recht in das (wenn auch mäßige) Gewühl, außerdem war er mit dem Wagen nicht vertraut. Trotz des relativ langsamen Tempos sah Schmitz nur 148 Schilder der verschiedensten Art: Neben denen, die man in der Fahrschule lernt, war der Weg zum Großmarkt, zum ADAC, die Einfahrt zur "Botschaft der sozialistischen Volksrepublik Rumänien" und die Abzweigung zum "Autohof SVC" angezeigt.

Der dritte Durchgang – wieder Fahrer Stuckmann – sollte der Bestandsaufnahme dienen: Wie viele Schilder gibt es auf der 5200-Meter-Strecke? Wie viele Straßen gehen rechts ab, auf die man ja unter Umständen auch noch achten muß? Nach links geht es nur einmal – zum Hafen. Dann ist da nur noch der Rhein.

Ich kam – im 26-Kilometer-Tempo – auf 215 amtliche Schilder, denn die nichtamtlichen kann man nicht mitzählen, weil sie nur gelegentlich hängen. Außerdem zählte ich 25 Straßen, die nach rechts abgehen.