Die seit längerem erwartete große Säuberungswelle in der ČSSR ist in Gang gekommen. Auf seiner Sitzung am Wochenende beschloß das Zentralkomitee der KPČ einschneidende personelle Veränderungen. Alexander Dubček, bis April des Jahres noch Generalsekretär der Partei, bleibt zwar im ZK, schied jedoch aus dem Parteipräsidium aus und muß auch den Vorsitz der Bundesversammlung abgeben. An seiner Stelle rückte der neue Ministerpräsident der tschechischen Teilrepublik, Josef Kempny, ins Präsidium auf. Die Reformpolitiker Smrkovsky, Hajek und Mlynar sowie sechs weitere Funktionäre wurden aus dem ZK ausgeschlossen, weitere 19 dem Reformkurs zugerechnete ZK-Mitglieder zogen sich freiwillig aus dem Gremium zurück. Die härteste Sanktion, der Ausschluß aus der Partei, wurde gegen General Prchlik verhängt, der sich im Sommer 1968 für eine Revision des Warschauer Paktes ausgesprochen hatte. Auch das Kabinett unter Ministerpräsident Cernik trat zurück, um einer Regierungsneubildung, freilich wiederum unter Cernik, Platz zu machen.

Vorrangiges Ziel der Parteiführung ist es jetzt, die Rückkehr auf Moskaus Kurs auf allen Ebenen der Partei langfristig fest abzusichern. Als Instrument dazu dient der jetzt im ZK-Plenum verabschiedete offizielle Widerruf jener Erklärung des Präsidiums der KPC vom 21. August 1968, in der die Invasion als Verletzung des Völkerrechts verurteilt worden war. Diese „politisch unrichtige“ Erklärung, wie es nun heißt, habe die legale Basis für die illegalen Aktionen der konterrevolutionäre Kräfte geschaffen.