Von Ernst Hornickel

Auf einer so umfassenden Schau der europäischen Automobilproduktion, wie sie die jüngste Internationale Automobilausstellung in Frankfurt bot, bleibt der Blick der Fans allzu leicht auf den Scheinblüten der sogenannten" Exoten" hängen, auf den Dream-cars und den hinreißend karossierten Kleinserien des motorisierten Jet-Set. Die Serienwagen des Normalverbrauchers interessieren verständlicherweise nur, solange sie neu sind, und auf den gegenwärtigen Automobilsalons ist, strenggenommen, nichts mehr neu. Von allen Novitäten wurde der Schleier des Geheimnisses längst vorher weggezogen, und wie es heute Brauch ist, wurden sie bereits im Stadium nascendi als "Erlkönige" entlarvt.

So behalten solche Ausstellungen, wie sie jetzt in Paris, London und Turin bevorstehen, ihren Sinn nur als Zusammenschau aller Bemühungen um die Weiterentwicklung des Automobils. Solch eine Tour d’horizon bringt jedoch oft überraschende Ergebnisse im Vergleich einzelner Bautendenzen und technischer Eigenarten. Niemand wird zum Beispiel bestreiten, daß etwa die Italiener die schönsten (obwohl das für die Großserie nicht zutrifft!), die Deutschen die solidesten Autos bauen und die Franzosen einen unstillbaren Hang zum Experiment haben.

In einer Zeit aber, in der ausländische Autos bei uns soviel Publicity haben wie nie zuvor, wird man mit der Behauptung, in Deutschland würden gegenwärtig nicht nur die schnellsten, sondern auch die temperamentvollsten Serienautos gebaut, sicher auf ungläubiges Staunen stoßen.

Unter den Freunden der gängigen ausländischen Wagen, die mit den Marken Alfa Romeo, Austin, Autobianchi, Citroën, DAF, FIAT, Peugeot, Renault, Simca und Volvo das Entzücken unserer Individualisten sind,ist man sicher überrascht, das zu hören.

Dabei soll der neue Mercedes-Benz-C-111-Wankel, der aus dem Stand in 5 Sekunden auf 100 km/st beschleunigt und 260 km/st Spitze erreicht, ebensowenig berücksichtigt werden, wie die seltenen technischen und formalen Preziosen von Lamborghini, Ferrari, Maserati, Iso-Griffo, Monteverdi oder Tomaso.

Unter den echten Serienwagen, die Geschwindigkeiten von über 200 km/st erreichen, befinden sich bemerkenswert viele deutsche Konstruktionen. Die zwölf schnellsten liegen dabei im Spitzengeschwindigkeitsbereich zwischen 203 und 230 km/st. Unter ihnen befinden sich vier Mercedes-Benz, drei Porsche und je ein Opel- und BMW-Typ.