Als Nasser vor rund zwei Jahren seinen "heiligen Krieg" gegen die Israelis begann, flüchteten sich fünfzehn Schiffe vom Suezkanal in den "Großen Bittersee". Seitdem kosten die Schiffe unter den Flaggen Englands, Frankreichs, Deutschlands und Polens ihre Eigner viel Geld, und die Aussicht, daß sie eines Tages auch nieder Geld einbringen werden, wird immer geringer.

Artillerieduelle und Kommandotrupps sind am Suezkanal zur täglichen Routine geworden. Kein Wunder, daß zur Befreiung der Schiffe im Bittersee keiner der Anliegerstaaten etwas unternimmt. Nicht einmal dem Versuch der Ägypter, die im Fahrwasser liegenden Wracks zu bergen und die Versandung des Kanals zu verhindern, war irgendein Erfolg beschieden.

"Lbyds of London", das größte Versicherungskonsortium der Welt, scheint jetzt die Konsequenzen zu zieher. Obwohl die Schiffe im Bittersee technisch noch völlig intakt sind, sollen die bei Lloyds versicherten Schiffe als Totalverluste übernommen werden. Das englische Konsortium folgt damit dem Beispiel der schwedischen Versicherungen, die schon vor Beginn dieses Jahres zwei Schweden-Schiffe als Totalverlust anerkannten.

Auch zwei deutsche Reedereien sind von dem Stimmungsumschwung in London betroffen und hoffen auf günstige Vergleichsangebote. Die "Münsterland" (Hapag) und "Nordwind" (Nordstern Reederei), beide aus Hamburg, sind bei Lloyds versichert.

Dr. Necker von der Hamburg-Amerika-Linie beziffert die Kosten mit rund 400 000 Mark im Monat. Viel billiger ist auch die "Nordwind" nicht. Die aufgelaufenen Kosten haben schon bald die Höhe des Versicherungswertes der Schiffe erreicht.

Trotzdem müssen die Reeder weiterhin für doppelte Heuer Besatzungen auf die Schiffe schicken, um größeren Schaden zu vermeiden. Denn die Preisgabe der Schiffe würde die Reeder nicht aus der Verantwortung für die Folgeschäden entlassen.

Den Reedern der englischen Schiffe, die jetzt ebenfalls mit Lloyds verhandeln, geht es aber ungleich besser als ihren deutschen Leidensgenossen. Ihre laufenden Kosten sind durch Versicherungen abgedeckt. Zudem zahlt ihr "Protection and Indemnity Club" 75 Prozent des entgangenen Gewinns. Die Versicherungsprämien zahlt zu 95 Prozent der Staat.