Von Peter Fuhrmann

Die einen mögen’s bewundern, die anderen, mag’s vor Neid erblassen lassen: Was Karajan anpackt, hat System, ist klug durchdacht, großzügig angelegt und doppelbödig abgesichert; künstlerisch (dafür garantiert er selbst) und finanziell (dafür findet er Mäzene).

Im vergangenen Jahr nun machte Karajan in einer Pressekonferenz in der Berliner Philharmonie die Welt mit einem neuen Vorhaben bekannt, mit einer Stiftung, die seinen Namen tragen und über musikpraktische und phänomenologische Aspekte der Musik Auskunft geben sollte.

Der erste Sprößling dieser Unternehmung war der Internationale Dirigenten-Wettbewerb, der vom 18. bis 28. September in Berlin abgehalten wurde und zu dem sich 348 Dirigenten – im vorgeschriebenen Alter von 20 bis 35 Jahren – aus allen Teilen der Welt beworben hatten, von denen jedoch nur 35 zur Teilnahme eingeladen werden konnten.

Auch hier zeigte sich wieder Karajans klare Konzeption: Er berief eine Jury, die das Auswahlverfahren nach optimalen künstlerischen Gesichtspunkten absicherte. Sie enthielt Dirigenten, Komponisten, Kritiker und – was heute nicht mehr auszuschließen ist – Experten der Schallplattenbranche. Sie gehörten neun verschiedenen Ländern an.

Unterstützt wurde dieser Wettstreit „zur Förderung junger begabter Dirigenten“ durch den Berliner Senat, das Berliner Philharmonische Orchester, die Berliner Bank – laut Programm – und die Deutsche Grammophon Gesellschaft (bei der der Stifter seit 1964 exklusiv unter Vertrag steht). Dem Vernehmen nach soll die Firma Siemens, der die DGG angehört, 50 000 Mark und der Maestro selbst 100 000 Mark zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt haben. Hinzu kommen die Übertragungssummen für Funk und Fernsehen.

Mit 50 Mark, besten Berufszeugnissen und den entsprechenden Empfehlungsschreiben war man jedenfalls dabei: je 5 Teilnehmer kamen aus der ČSSR und Deutschland, 4 aus Ungarn, je 3 aus Brasilien, der Schweiz und Österreich, je 2 aus der UdSSR, aus Frankreich und England und schließlich je einer aus Nordamerika, Kanada, Belgien, Bulgarien, Spanien und Finnland.