Unser Kritiker sah:

MARGARETE IN AIX

Komödie von Peter Hacks

Basler Theater, Komödie

Die anspruchsvolle Komödie von einem der wortmächtigsten deutschen Bühnenautoren wartete drei Jahre auf ihre Uraufführung. (Seit Februar 1967 ist „Margarete in Aix“ zu lesen in „Theater heute“.) Voller Vertrauen durfte Peter Hacks den Zuschlag für die Premiere endlich Basel geben. Was ist im ersten Jahr der Intendanz Werner Düggelins dort nicht alles für das Schauspiel geleistet worden: Zwei Basler „Theaterarbeiten“ von Friedrich Dürrenmatt gehen wie neue Stücke weiter über andere Bühnen. Die „König-Johann“-Bearbeitung (nach Shakespeare) steht während dieser Spielzeit auf dem Programm von 15 Theatern, „Play Strindberg“ auf 27 deutschsprachigen Bühnen.

Auch inszenatorisch wurde Ungewöhnliches erreicht. Horváths „Kasimir und Karoline“ schnellte unter der Regie von Hans Hollmann sogleich in jene Spitzengruppe, die zum Theatertreffen 1969 nach Berlin eingeladen wurde. Was Düggelin seinem neu für die Schauspielkunst interessierten Publikum zumuten durfte, konnte ich an einer „Woyzeck“-Inszenierung ermessen. Sie war mit Kurt Beck in der Titelrolle noch knapper, noch kürzer, noch härter als das klinische Diagramm, das augenblicklich im Hamburger Deutschen Schauspielhaus zu besichtigen ist. Und das im riesigen Stadttheater, neben dem sich inzwischen eine tiefe Baugrube aufgetan hat: Für 40 Millionen stellt das theaterfreudige Basel ein neues Stadttheater neben das überalterte Gebäude.

An dies alles muß man erinnern, um nicht zu vergessen, welches Risiko dem Theaterspielen auch unter günstigen Vorbedingungen immer innewohnt, daß es vor allem für Dichtung im Theater keine vorauszuberechnende Erfolgsgarantie gibt. Der langen Vorrede kurzes Resümee: Die Basler Uraufführung der „Margarete in Aix“, gespickt mit Bühneneffekten, war die langweiligste Theatervorstellung, die ich seit geraumer Zeit erduldet habe.