Bayerns Auto-Perle und der deutschen Automobilindustrie sicherster Anwärter auf die nächste Fusion hat sich auf dem Kapitalmarkt einen 100-Millionen-Kredit gesichert. Für BMW’sind 100 Millionen Mark viel Geld. Der Betrag entspricht genau dem Grundkapital oder dem zweifachen Jahresgewinn (ausgewiesener Gewim 1968: 45,3 Millionen).

Die Verhandlungen um die Kreditbedingungen haben die Manager von BMW erfolgreich beendet. Der Kredit hat eine Laufzeit von 12 bis 15 Jahren und kostet 7 Prozent Zinsen. Sieben Prozent sind angesichts des gegenwärtigen Zinsniveaus ein niedriger Preis. BMW-Gläubiger wurden die Bayerische Gemeindebank (Girozentrale) unddie Westdeutsche Landesbank (Girozentrale). Die den Sparkassen nahestehenden Institute teilen sich den Gesamtkredit.

Quandt, Großaktionär bei BMW, hat mit diesem Kredit Zeit gewonnen. Aber nicht viel: Denn die jetzt gewonnenen 100 Millionen Mark reichen gerade aus, um die trotz der hohen Gewinne (die sich in dieser Höhe nicht halten lassen) vorhandene Finanzierungslücke des Jahres 1969 zu schließen.

Für BMW wäre es ohne Zweifel besser gewesen, wenn man sich einen Teil der Investitionsmittel über eine Kapitalerhöhung gesichert hätte. Bei dem Börsenkurs von über 900 Mark hätte sich auch ein hoher Ausgabekurs ohne weiteres vertreten lassen. Vermutlich wäre die Kapitalerhöhung billiger gewesen als der Sparkassen-Kredit.

Ob die Börsensituation im nächsten Jahr, wenn sich die Kapitalerhöhung nicht mehr hinausschieben läßt, für BMW noch so günstig ist wie heute, ist fraglich. Um in der Bilanz die Relation von Fremdkapital zu Eigenkapital in einem vertretbaren Ausmaß zu halten, wird BMW das Eigenkapital jedenfalls erhöhen müssen.

In Börsenkreisen sieht man die Kreditaufnahme deshalb nur als Zwischenlösung an. Sie soll dem Großaktionär Quandt Zeit zu Verhandlungen schaffen. Offenbar ist er selbst nicht willens oder in der Lage, sein finanzielles Engagement bei BMW über eine Kapitalerhöhung zu vergrößern.

Bei BMW selbst neigt man zu einem Anschluß an das Volkswagenwerk. Gegenüber’ Daimler, wo Quandt ebenfalls ein ansehnliches Paket besitzt, besteht in München eine gewisse Animosität. Sie resultiert aus dem fehlgeschlagenen Versuch der Stuttgarter, 1959 durch eine Abfindung der BMW-Aktionäre das Münchener Unternehmen dem Daimler-Konzern einzuverleiben. Hinzu kommt, daß die BMW-Leute glauben, ihr Typenprogramm ließesich eher bei VW als bei Daimler eingliedern.