Hart geht die Wirtschaft mit den Politikern ins Gericht: "Wir können auf die Dauer nicht in der Unruhe leben. Das macht die Industrie kaputt." Dr. Gerd Tacke, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, spricht wohl allen verantwortlichen Managern der deutschen Wirtschaft aus der Seele, wenn er fordert, daß die Unternehmen nun endlich wieder Gewißheit über die Daten haben müssen, mit denen sie zu kalkulieren haben.

Wenn heute die Konzertierte Aktion zusammentreten würde, so klänge es unisono aus dem Unternehmerlager: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Das geht so weit, daß Professor Rodenstock (Optik), der bayerische Industrielle, ausruft: "Sollen sie doch meinetwegen eine Aufwertung beschließen, auch wenn sie nachteilig ist, aber die Unsicherheit muß aufhören."

Und ebenso einstimmig würden die Gewerkschaftsvertreter den Sprechchor skandieren: Wo bleibt die soziale Symmetrie?

Geduld, mahnt Rodenstock, die soziale Symmetrie kommt schon. Man dürfe nicht in zu kurzen Perioden denken. "Ein Ausbalancieren der Einkommenspolitik zwischen Selbständigen und Arbeitnehmern im Sinne der sozialen Symmetrie ist nur über einen Zeitraum von mindestens drei bis vier Jahren hinweg möglich."

Aber es gibt Vorbedingungen. Tacke: "Wir müssen wieder zur Vertragstreue zurückkehren. Mann kann nicht über Tarifverträge mit einer Handbewegung hinweggehen. Schließlich müssen wir auch in der Lage sein, unsere Kosten über einen absehbaren Zeitraum hinweg planen zu können."

Der Siemens-Chef will die Arbeitnehmer jedoch "selbstverständlich" am Erfolg beteiligen. Sein Rezept geht dahin, "die Vermögensbildung noch energischer voranzutreiben". Belegschaftsaktien, wie sie das Haus Siemens im letzten Jahr ausgegeben hat, erscheinen ihm ein geeignetes Mittel, "die schreckliche Diskrepanz in der Vermögensverteilung" zu überwinden.

Mit präzisen Vorstellungen geht Hermann Brandt, der Vorsitzende der Deutschen Angestelltengewerkschaft, in diese Diskussion: "Wir brauchen ein Rahmengesetz, das die Gewerkschaften in den Stand versetzt, unabhängig von der gesetzlichen Sparförderung Tarifverträge über die Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen abzuschließen."