Mit Geld ist’s überall gut sein, selbst Fahnenjunker, aber ohne Geld da ist’s ein armselig Ding zu leben.

Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis

Opas Gute Form

Nun zum Kulturellen“, sprach Professor Schiller auf der Berliner Industrieausstellung und verlieh im Handumdrehen 28mal den soeben von seinem Ministerium gestifteten Bundespreis „Gute Form“. Das Erwählte mimte auf zwei Podesten Kulturdenkmal: Arbeitsstühle im oberen Glied, Trinkgläser darunter, elektroakustische Gehäuse an den Flanken. Anfassen verboten, es kam auch keiner dazu: Nach einer Stunde war die Preispracht schon wieder abgeräumt. Was ist nun „Gute Form 1969“? Das ist vor allem „zeitlos“ bewährte Form und stammt aus den Jahren 1933, 1947, 1961, ein paar „zeitgemäße“ Alibistücke waren tatsächlich jünger, vier stammten gar aus diesem Jahr. Wer wählt Gute Form aus? Gute Form wählen vorwiegend altgediente Fachjuroren aus, sie besorgen ihr Erbpachtgeschäft meist schon seit Jahrzehnten, man ersparte sich auch, die Kriterien ihrer Urteile einem allgemeinen Publikum bekanntzugeben. Aber daran hatte der „Rat für Formgebung“ wohl auch nicht gedacht. Das Publikum hat freilich gar nichts versäumt: Es ist ohnehin niemandem etwas irgendwie Neues eingefallen.

Gesammelter Ernst

Im Auftrag der Rice University Houston (Texas) gibt Werner Spies den Oeuvre-Katalog von Max Ernst heraus, der in etwa drei Jahren erscheinen soll. Mitarbeiter am Oeuvre-Katalog sind Günter und Sigrid Metken, Paris. Die Besitzer von Arbeiten Max Ernsts werden gebeten, sich mit Werner Spies in Verbindung zu setzen (3, rue Berlioz, 92- Sceaux, Frankreich). Gleichzeitig mit dem Katalog wird ein Buch über Max Ernst erscheinen.

Preis für Erich Hauser

Der Jury der X. Kunstbiennale in São Paulo gefiel sein Werk besser als den Bürgern von Kaiserslautern, die vor einem Jahr gegen die Aufstellung seiner Raumsäule aus Nirosta-Stahl in ihrer Stadt protestierten. Erich Hauser, 1930 in Rietheim geboren, schon zweimal auf der documenta vertreten und eines der stärksten Talente, das die deutsche Plastik derzeit vorzuweisen hat, wurde in São Paulo der mit 40 000 Mark dotierte Hauptpreis der Biennale zugesprochen. Weitere Preise erhielten: Ernst Fuchs (österreici), Eduardo Ramirez (Kolumbien), Anthony Caro (Großbritannien), Robert Muray (Kanada), Waldemar Zwiecy (Polen), Jiří Kolař (ČSSR) und Herbert Diesel (Schweiz).