Emile Erckmann/Alexandre Chatrian: "Ein Soldat von 1813/Waterloo" – Zwei Romane, aus dem Französischen von Gerhard Ramrath; Amadis Verlag, Karlsruhe; 512 S., 20,– DM

Keine literarische Neuentdeckung wäre im Napoleon-Jahr aktueller als diese 1968 erschienene, biederschlaue, rührend verhalten ironisch erzählte Geschichte des gehbehinderten und dennoch zu des Kaisers letzten Kriegen eingezogenen Soldaten Joseph Beda, dessen populäre Autoren von ihren größten Zeitgenossen (Zola, Lamartine) bewundert wurden; das Buch ist vorzüglich übersetzt, mit informativem Vorwort und Anhang.

François Bondy

"Agitprop" – Lyrik, Thesen, Berichte, herausgegeben von Fuhrmann, Hinrichsen, Hüfner, Kuhnke, Schütt, Wandrey; Quer-Verlag, Hamburg; 258 S., 12,80 DM

Ein einmaliges, komplexes Dokument der Krise der Gegenwartslyrik: Am Diskussionsobjekt Agitprop wird symptomatisch die Problematik von literarischer Definition und Wertung deutlich; formal-ästhetischer Unverbindlichkeit müde gewordene Autoren texten und argumentieren, sind sich nicht einig über die Funktion des Gedichts in einer zu politisierenden Gesellschaft und demonstrieren anschaulich und bedrückend die fatale Situation von Agitprop-Lyrik und die Frustration ihrer Produzenten.

Christel Buschmann

Christa Wolf: "Nachdenken über Christa T.", Roman; Luchterhand Verlag, Neuwied; 236 S., 14,80 DM

Diese jetzt auch in der Bundesrepublik Deutschland erschienene poetische Geschichte – ausführlich schrieb ich über das Buch in der ZEIT vom 23. Mai 1969 aus Anlaß der DDR-Ausgabe –, die von dem Leben und Untergang einer an den Kommunismus glaubenden und an der DDR leidenden und scheiternden Germanistin erzählt, ist für mich doch wohl, so weit sich dies jetzt schon übersehen läßt, der wichtigste deutschsprachige Roman des Jahres 1969. Marcel Reich-Ranicki