Zwei Jahre lang hüllte er sich in Schweigen. Nunmehr hat der populärste griechische Politiker, der konservative Ex-Ministerpräsident Karamanlis, aus dem Pariser Exil der Athener Junta den Kampf angesagt. Die zersplitterte griechische Opposition hat endlich eine Alternative vorzuzeigen. Sie könnte sogar den Amerikanern einleuchten und ihnen die Angstvorstellung nehmen, nach einem Sturz der Junta würde Hellas vom Kommunismus verschlungen.

Karamanlis hat seine Stunde gut gewählt. In Straßburg droht dem Militärregime im Dezember der Ausschluß aus dem Europarat. Im Lande selbst ist der passive Widerstand gegen die Junta so stark geworden, daß Papadopoulos, der selbsternannte "Arzt" der Nation, seinem Volk nicht die Freiheit zu verordnen wagt. Seine jüngsten Konzessionen–mehr Pressefreiheit, mehr Rechtsstaatlichkeit – entpuppten sich rasch als Scheinmanöver: "Wir haben den Gips zwar entfernen können, aber wir haben den Patienten noch in Schienen legen müssen." Doch ungeachtet des nach wie vor bestehenden Ausnahmezustandes haben eine Reihe bekannter, gemäßigter Politiker den Aufruf Karamanlis’ öffentlich unterstützt.

Freiwillig, nur auf Zureden werden die Obristen ihre Sessel nicht räumen. Das weiß Karamanlis. Aber er setzt auf demokratisch gesinnte Kräfte im Offizierskorps. Wie einst im Dritten Reich, kann auch in Griechenland die Widerstandsbewegung nur mit Hilfe der Streitkräfte siegen. Was die Gegner der Diktatur aber fast noch mehr brauchten, ist die moralische Unterstützung des befreundeten Westens. K. H. J.