Von Wolfgang Stützel

Professor Dr. Wolfgang Stützel ist Ordinarius an der Universität des Saarlandes. Er hat dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bis zum Herbst 1968 angehört. Sein Ausscheiden aus diesem Rat, das seinerzeit großes Aufsehen erregt hat, war nicht zuletzt auf unüberbrückbare Auffassungsunterschiede mit seinen Ratskollegen in der Frage der Notwendigkeit einer Aufwertung der Mark zurückzuführen.

Wenn die neue Bundesregierung demnächst ihre währungspolitische Entscheidung getroffen haben wird, dann wird es gewiß ein großes Aufatmen geben. Zu lange hat der Streit schon gedauert. Zu lange währte die Ungewißheit. Man wird froh sein, daß man weiß, woran man ist. Und dennoch, wie auch immer diese Entscheidung ausfallen mag: Im Grunde werden wir dann wieder genau dort stehen, wo die ganze Misere vor Jahren begonnen hat.

Als Bürger einer freien Welt wünschen wir uns doch alle, Amerikaner, Engländer, Franzosen wie Deutsche, außer dem Frieden vor allem auch Freizügigkeit. Wir wollen einmal – das geht den Staatsrechtler an – das Gebiet unseres Nationalstaates, in dem wir leben, verlassen können, wann und wie wir mögen, zur Reise oder auch, wenn uns der ganze Laden dort nicht paßt, auf Dauer, mit unseren Kindern.

Wir wollen des weiteren – das geht den Kaufmann und den "Allokationstheoretiker" an – unsere Waren dort einkaufen können, wo sie in der Welt am billigsten zu haben sind, und dorthin verkaufen oder auch unser Vermögen investieren, wo wir die größten Chancen sehen. Aber schon die Freiheit zu reisen oder auszuwandern (für beides braucht man Geld) und erst recht die Freizügigkeit im Waren- und Kapitalverkehr setzt eine andere Freiheit voraus: die Möglichkeit, das im eigenen Land verdiente Geld in das Geld umtauschen zu können, mit dem man woanders zahlen kann. Das geht den Währungstheoretiker an. Er nennt diese Freiheit "Konvertibilität".

Freizügigkeit und Konvertibilität oder nicht, das klassifiziert Nationen. Und wer noch bezweifeln wollte, daß es sich bei Währungsfragen um Politika ersten Ranges handelt, den mag der Wahlausgang belehren. Gemacht hat das Rennen, wem die Bundesbürger zutrauten, daß er der Deutschen Mark eine Spitzenstellung unter den Währungen der Welt am ehesten werde sichern können.

So mag denn auch der Streit um die bessere Währungspolitik noch so tief gegangen sein – hie Freunde, hie Gegner der Aufwertung; hie Freunde, hie Gegner flexibler Kurse –, in einem herrscht unter den Streitenden seit eh und je Einigkeit: Jeder möchte, daß die Freizügigkeit von Waren, Kapital und Geld möglichst besser gesichert werde.