Von Ben Witter

Heinz ist jetzt achtundzwanzig. In Westerhorn, Kreis Pinneberg, wurde er geboren. Sein Vater fiel 1941. Seine Mutter hatte damals ein eigenes Entbindungsheim, verkaufte es aber später; heute arbeitet sie in einem Eispavillon. Mit dreizehn verdiente sich Heinz beim Kartoffelnsammeln Geld. In Hamburg gab er es aus. Damals bekam er zum erstenmal sexuellen Kontakt zu gleichaltrigen Jungen. Sie waren aus Jugendheimen entwischt.

Von da an kümmerte sich das Jugendamt um Heinz. Er kam zu einem Bauern. Morgens um vier mußte er da aufstehen, um acht zur Schule gehen und nach der Schule bis acht arbeiten. Da lief er weg. Sein Schwager sagte: "Geh auf eine Werft nach Hamburg." Heinz musterte jedoch als Messesteward auf einem Frachtdampfer an und fuhr ins Rote Meer. Auf der Rückreise stieg er in Rotterdam aus. Er sollte für den Ersten Offizier Schnaps besorgen, ging aber ins Kino und sagte sich: Die Seefahrt kommt gleich hinterm Gefängnis.

Er fuhr nach Hause zu seiner Mutter. Sie hatte alles für ihn, und abends war sie immer da. Heinz lernte ein Mädchen kennen, das auch tagsüber für ihn Zeit hatte. Es war sein erstes Mädchen, und er wollte es unbedingt behalten, denn er durfte mit ihm das tun, woran er ununterbrochen gedacht hatte. Was konnte er einem solchen Mädchen am besten schenken? Einen Ring. Er stahl ihn der Untermieterin seiner Mutter.

Neun Monate Gefängnis wegen Desertation und Diebstahl waren die Folgen der eigenmächtig abgebrochenen Seereise und des Ringdiebstahls. Nach seiner Entlassung stahl er einem Bauern eine Mettwurst und ein Fernrohr. Der Bauer hatte Gewalt über ihn: Wenn seine Kopfschmerzen unerträglich wurden, schlug er mit der Peitsche auf alles mögliche ein, auch auf Heinz.

Heinz lief weg. Er verkaufte das Fernrohr für sieben Mark und spielte in einem Dorf mit einer unvollständigen Mannschaft aus Jungen zwischen acht und vierzehn Jahren Fußball. Den Torhüter nahm er anschließend mit in den Wald. Wieder kam es zu sexuellen Spielereien.

Zu Hause wartete die Polizei. Wegen Unzucht mit Kindern und Diebstahls erhielt er eine Jugendstrafe zwischen eineinhalb und dreieinhalb Jahren. Achtzehn Monate verbüßte er in der Jugendstrafanstalt Hahnöfersand, elf wurden zur Bewährung ausgesetzt. Heinz durfte in der Haft, weil er sich gut führte, öfter im Garten der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese arbeiten. Damals erinnerte er sich an Marlene und besuchte sie.