Cornelius Verolme erreichte vor 13 Monaten sein großes Ziel. Nach langen Verhandlungen hatte er Erfolg: Die niederländische Regierung stellte ihm eine. Kredithilfe von 75 Millionen Gulden zur Verfügung. Damit war der Bau eines Mammutdocks für Schiffe bis zu einer Größe von 500 000 Tonnen Tragfähigkeit (tdw) gesichert.

Der Staatskredit war allerdings mit einer Auflage verbunden. Verolme mußte die notleidende "Nederlandse Dok en," Scheepsbouw Matschappij" (NDSM) übernehmen. Dieses Unternehmen hatte sich mit dem Bau von Supertankern an den Rand des Bankrotts gebracht. 3000 Werftarbeitern drohte die Entlassung. Verolme, Wunderkind des holländischen Schiffbaus, sollte helfen.

Mit der Amsterdamer Werft übernahm Verolme auch die zwei im Bau befinde lichen Tanker, die – der Werft schließlich zum Verhängnis wurden. Der durch diese Übernahme entstandene Verlust stieg auf über 50 Millionen Gulden,

Dieses Geld fehlt Verolme jetzt, um Aufträge seiner eigenen Werft noch zu finanzieren (fünf Tanker über 225 000 Tonnen für Esso und Chevron). Um den hohen Konventionalstrafen bei Nichtabliegerung der jetzt im Bau befindlichen Tanker zu entgehen, wandte sich Verolme wieder an die Regierung. Diesmal braucht er 90 Millionen Gulden.

Die Regierung ist aber nicht bereit, Verolme aus seinen Schwierigkeiten zu befreien, ohne Bedingungen zu stellen. Der Wirtschaftsminister will zuerst die Situation bei Verolme überprüfen lassen, denn Verolme führt sein Werftimperium als Familiengesellschaft und publiziert keine Geschäftsberichte. Vorläufig wurden 27,5 Millionen Gulden als Überbrückungskredit gewährt.

Die Karriere Verolmes, die jetzt zu enden droht, begann vor rund 20 Jahren. Er startete sein Unternehmen mit geliehenem Geld. Als alle Welt nach Schiffen fragte, baute er eine Werft auf. Durch geschicktes Taktieren und pünktliche Ablieferung schaffte er sich einen treuen Kundenstamm, – –

1960 geriet der holländische Schiffbau jedoch in Schwierigkeiten. Statt Stückgutfrachtern waren plötzlich "Bulkcarrier" gefragt. Verolme erkannte den Trend rechtzeitig, erweiterte seine Kapazitäten und hielt mit der internationalen Entwicklung Schritt.

Trotz aller geschäftlichen Erfolge gelang es dem Selfmademan, der nach eigenen Angaben fast eine Milliarde Gulden umsetzt, jedoch niemals, in Schiffahrtskreisen voll anerkannt zu werden. Obwohl er die größte holländische Werft besaß, wollte ihn die Vereinigung der Rotterdamer Schiffbauer als Mitglied nicht haben. kde