Von Karl Heinz Meine

Der Riese Atlas, der in der griechischen Mythologie die Weltkugel auf seinen Schultern trug, hätte heute schwerer zu tragen, gäbe es ihn noch: Die Erdkenntnis ist größer geworden, die Fakten sind nur noch in SpezialÜbersichten darstellbar.

Was blieb, ist der "Atlas" – als Sammelbegriff für gleichgroße Kartenblätter in systematischer Anordnung Ende des sechzehnten Jahrhunderts geprägt. Und auch der "Globus" blieb – globale Betrachtungsweisen haben den Vorzug, erdräumliche Zusammenhänge auf einen Blick erkennen zu lassen: eine umfassende Überschau, die uns verzerrungsfrei nur von der Kugelgestalt vermittelt wird.

Im Zeitalter der Weltraumforschung geht unser Blick in größere Weiten. Folgerichtig sollten wir somit nur von Erdatlanten statt wie bisher von Weltatlanten sprechen, denen die neu aufkommenden Mondatlanten gegenüberstehen.

In einer Zeit, da zudem die Fragen der Tagespolitik, der Wirtschaftszusammenhänge, der Verbundsysteme, der Rohstoffquellen und der Verkehrsbeziehungen erdweit zum täglichen Diskussionsgut gehören, kommt innerhalb der geowissenschaftlichen Fachbereiche den kartographischen Darstellungen besondere Aufmerksamkeit zu.

Eigenartigerweise fristet demgegenüber der Erdkundeunterricht in den Schulen, insbesondere den Gymnasien der BRD, ein verhältnismäßig kümmerliches Dasein. Hinzu kommt bei uns das Verharren in alten Gleisen und Traditionen; die unguten Seiten übersteigerter föderalistischer Prinzipien machen sich indirekt auch hier bemerkbar.

Vor 1945, insbesondere vor 1930, hatte Deutschland eine führende Stellung in der allgemeinen Verlagskartographie inne. Ich möchte meinen, daß diese inzwischen neu etabliert wurde. Die Erzeugnisse etwa der kartographischen Institute von Bertelsmann in Gütersloh, des Instituts Meyer im Bibliographischen Institut Mannhein, von Velhagen und Schroedel in Bielefeld sowie von Westermann in Braunschweig, von List und Wenschow in München überzeugen. Ähnliches gilt für den Columbus-Verlag in Berlin und Stuttgart.