Von Horst Seifart

Der Verfasser ist mit der Aufstellung des Weltprogramms der Münchner Olympischen Spiele beauftragt worden, Ähnliche Aufgaben hatte er bereits in Tokio und in Mexiko zu erfüllen.

In gut drei Jahren gehören die XX. Olympischen Sommerspiele von München bereits wieder der Vergangenheit an. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Das gilt nicht nur für das Organisationskomitee, das gilt ebenso für das Deutsche Fernsehen. Unter der Gesamtleitung von Robert Lembke hat die Deutsche Olympia-Zentrale (DOZ) ihre Arbeit aufgenommen. Rund 25 Mitarbeiter sind es jetzt, über 1000 werden es 1972 sein. Besonders der Programmsektor hat seine Sorgen. Schließlich verlangen mehr als 600 Millionen Menschen in aller Welt ein möglichst vollkommenes Bild der Spiele.

Eins steht fest: Für das Fernsehen und den Hörfunk werden München die teuersten Spiele aller Zeiten. Kam man für ganz Europa, Asien, Amerika, Australien und Teile Afrikas in Mexiko noch mit rund 50 Millionen aus – Lizenzen und alle technischen Kosten eingeschlossen –, so verschlingt in München bereits jetzt die Technik weit über 100 Millionen Mark. Von Lizenzen und anderen Dingen hat noch keiner gesprochen.

Das Team, das 1964 in Tokio für ganz Europa arbeitete, begnügte sich mit 8 elektronischen Aufzeichnungsmaschinen. Mexiko 1968 meldete die gleiche Zahl, in München müssen es 20 sein. Mexiko benötigte für die Farbübertragungen 11 Fernsehwagen. In München reichen nicht einmal 20. Ein Übertragungswagen aber repräsentiert den Wert von rund 2 Millionen Mark. Die Anstalten der Bundesrepublik besitzen diese Wagen bis 1972 nicht. Also muß man sie leihen.

Da deutsche Redakteure bereits 1964 und 1968 das Fernsehprogramm verantwortlich für den größten Teil der Welt gesteuert haben, wird man 1972 in München von uns eine "totale Perfektion" verlangen. Ist sie möglich?

Die Antwort ist ein krasses "Nein"! Die Spiele von München sind nach den Worten ihrer Organisatoren zwar "Spiele der kurzen Wege", zugleich aber auch die "Kämpfe einer fatalen Dezentralisation". 21 Sportarten finden nämlich an 33, vielleicht sogar 34 Wettkampforten statt. Zum vielgerühmten Oberwiesenfeld kommen unter anderem, sieht man von Kiel ab, Augsburg, Kaufbeuren, Nürnberg, Regensburg oder Ingolstadt.