In kollegialer Anteilnahme fragten mich die Kollegen in der ZEIT, nachdem ihnen eine mich betreffende Bildgeschichte aus der Düsseldorfer "Rheinischen Post" zu Gesicht gekommen war, ob ich angesichts dieses Konterfeis gelacht oder geflucht hätte. Nun, ich habe geschmunzelt und geschwiegen, denn als eines jener gebrannten Kinder, die ihren Kopf in einer gewissen Regelmäßigkeit auf den Block vor einer Kamera legen, weiß ich, daß ich das Recht am eigenen Bilde verwirkt und mithin mein Gesicht verloren habe, das – vogelfrei – jedermann zur Betrachtung und Verwertung zur Verfügung steht.

Meine mitfühlenden Kollegen ermunterten mich, vielleicht nicht ohne journalistische List, mich zu diesem kunstvollen Schoppenschaubild, zu diesem Stück Op-Art, zu äußern. Nun, wenn ein Maler mich so zeigt, als kahlköpfigen Brummbär, halb Winston Churchill, halb Curd Jürgens, dann muß er mich wohl so gesehen haben, und da Künstler mehr sehen als andere, und da die Kunst immer recht hat, kann ich mich, nicht von mir selber distanzieren, wenngleich ich in dieser "typischen" Version kaum mein Typ bin.

Unbefangener bin ich bei dieser Kunstkritik, wenn ich den Rest der Runde unter die Lupe nehme. Unverwechselbar ist fraglos Antony Terry getroffen, der Bonner Sunday-Times-Korrespondent für Mitteleuropa. Mein Berliner US-Kollege James O’Donnell ist durch den Randschatten leicht derangiert. Jean Roussel, der Franzose an meiner Seite, wird damit einverstanden sein, daß ihm ein längeres Gesicht verpaßt wurde, als die Natur ihm mitgegeben hat. Bei meinem Nachbarn zur Rechten habe ich prima vista an den MONAT-Gründer Melvin Lasky gedacht, um mich dann aber belehren zu lassen, daß der holländische Friedensforscher Laurens Ten Gate gemeint ist.

Gerd Ruge, die andere Randerscheinung, mein mir seit fast zwanzig Jahren wohlvertrauter Kollege, wirkt mit den ihm aufgeprägten Unmutszügen wie ein kapitalistisches Double der magensauren DDR-Kassandra Karl Eduard v. Schnitzler. Am weitesten hat sich der Maler vom Modellentfernt, als er Hand anlegte an unsere Hedi. Mir scheint, hier ist ein synthetisches Wesen andie Wand gemalt worden, zusammengesetzt aus allen Erinnerungen und Erwartungen unseres Künstlers, bezogen auf Wein und Weib.

Da die Freiheit, erst recht für den Künstler, unteilbar und unbegrenzt ist, muß ihm auch das Recht zugestanden werden, einen "Frühschoppen" verewigt zu haben, der in dieser Zusammensetzung noch nie zusammensaß. Zwar hat der eine Kollege mit dem anderenschon mal das Wort gewechselt, aber das hier versammelte Ensemble hat sich bisher nur in der Vorstellung des malenden Chronisten getroffen.

Falls solche Reflexionen nach Kritik klingen sollten, so möchte ich diesen Eindruck auffangen mit der ausdrücklichen Bekundung meiner Solidarität mit dem Autor dieses Panel-Panoramas. Denn ich weiß, wie schwer es ist, Fernsehbilder die ja Trugbilder sind, bestehend aus Zeilen und Punkten, optisch zu fixieren. Was der Kamera, nur mit Glück und Mühe gelingt, ist für Auge und Hand des Malers noch schwerer zu fassen.

Es bleibt eine bestürzende Erfahrung, daß man, im Zeitalter der elektronischen Massenkommunikation, einem Maler Modell sitzen kann, ohne diesem Maler jemals ins Auge gesehen zu haben. Dennoch hat es an Kontakten mit Vladimir Trejevic, der aus Belgrad stammt, einen Jugoslawen zum Vater, eine Französin zur Mutter hat; über Paris nach Düsseldorf gekommen ist und seine Objekte zwischen "Berliner Mauer, Bonner Beethovenhalle und Kölner Frühschoppen" sucht, nicht gefehlt, was ein Briefwechsel belegt. Im Frühjahr stellte er sich mir als "akad. Maler" vor: