(in vorzüglicher Übersetzung zudem) verdient, auf dem Kalender rot angestrichen zu werden.

Zunächst: Der Titel ist so zu verstehen, daß in dem Buch der Versuch unternommen wird, jenen Teil einer linguistischen Theorie zu entwerfen, der sich auf die syntaktische, die den Bau des Satzes betreffende Hauptkomponente bezieht. Anknüpfend an den von Humboldt vorbereiteten Gedanken, Grundlage der Spracherlernung sei eine "angeborene linguistische Theorie" oder "die angeborene Prädisposition... eine bestimmte Art von Theorie zu entwickeln", um das von der sprachlichen Gemeinschaft der Umwelt angebotene Material zu verarbeiten, sucht er den Aufgabenbereich einer neuen Linguistik zu formulieren: Sie habe sich mit dem Studium der "generativen" Grammatiken (im Gegensatz zu den traditionellen) zu befassen, Anfangsinformationen über die Struktur der Sprache zu erfragen und über deren formale Beschreibung zu Einsichten über sprachliche "Universalien" zu gelangen, Unter dieser "generativen Grammatik" ist ein System von Regeln zu verstehen, die man anwenden muß, um eine beliebige Zahl von Sätzen zu erzeugen. Jeder, der eine Sprache beherrscht, verfügt mithin über ein solches Regelsystem, das seine Sprachkenntnis ausdrückt und ihm die Fähigkeit verleiht, die "Daten", auf die er stößt, sprachlich zu bewältigen.

Wenn jeder Satz aus einer "Tiefenstruktur" und einer "Oberflächenstruktur" besteht, die nicht identisch miteinander sind, so hat die syntaktische Komponente einer generativen Grammatik (welcher das vorliegende Buch gilt) sowohl die Tiefenstruktur festzulegen, die eine semantische (bedeutungsmäßige) Interpretation steuert, als auch die Oberflächenstruktur, die seine phonetische (lautliche) Interpretation bestimmt. Beide sind also die "Schöpfung" der syntaktischen Komponente und aufeinander bezogen.

Was zwischen ihnen liegt, ist eine Art Montageplatz, bestimmt durch sogenannte Transformationen, die aus den elementaren Einheiten, aus denen die Tiefenstruktur besteht, eine Oberflächenstruktur formen. Die Gesetze, nach denen das geschieht, nennt man Transformationsregeln: Sie sorgen dafür, daß die "abstrakte" Tiefe (Inhalt) in eine "konkrete" Oberfläche (Form) überführt wird. Mit ihnen beschäftigt sich inzwischen ein ganzer Wissenschaftszweig, die "Transformationsgrammatik".

Diese Tiefenstruktur zu ergründen, ihre Regeln, zu beschreiben, ist, kurz gesagt, das Ziel von Chomskys Buch. Der Autor muß, um das zu erreichen, den umgekehrten Weg des Satzerzeugers gehen, die Transformation sozusagen zurückdrehen, aus dem Produkt das abstrahieren, was zu seiner Herstellung geführt hat.

Die Erkenntnis der bestimmenden Regeln führt zum Kern der Sprache. Ein Prozeß, der, wenn man ungeheuer vereinfacht, mathematischem Kürzen und Ausklammern vergleichbar ist. Es handelt sich also darum, aus Einzelgrammatiken bestimmte Feststellungen und Generalisierungen – zusammenfassende, vereinfachende, ganze Prozesse abbildende Regeln – herauszudestillieren und sie, wo immer dies möglich ist, in eine allgemeine Theorie der Sprachstruktur aufzunehmen. An die Stelle von Äußerungen über Einzelsprachen treten dann Hypothesen über Sprache "an sich", es entsteht so etwas wie eine Universal-Linguistik, in der das neue Verhältnis des Menschen zu Raum und Zeit seinen adäquaten Ausdruck findet, obwohl sie bis zur Port-Royal-Grammatik zurückgeht. Sprach-, Regelbeschreibung gerinnt in Chomskys Buch zur Formel, verdünnt sich zu Ketten. Sprachliche Sachverhalte werden in Notationen, Symbole, Klammern, Diagramme und auffächernde Baumstrukturen zerlegt. "Kategorienregeln" ergänzen "Selektionsregeln"‚ "kontextfreie" Regeln "kontextsensitive"; "Notationskonventionen" drücken "Selektionsbeschränkungen" aus, "Ersetzungsregeln" Wechselverhältnisse. Durch die Verwendung algebraischer Symbole lassen sich Beziehungen formulieren, Wahrscheinlichkeiten wägen, Sinnkomplexe türmen und auflösen, wie es sonst undenkbar wäre. Andererseits fordert solche Versinnbildlichung der Relationen sinntragender Einheiten vom Sprachwissenschaftler ein mathematisches Verständnis, für das die Formel A – Z X – Y (A wird zu Z, wenn es links von X und rechts von Y flankiert ist) zum allerkleinsten Einmaleins gehört.

So viel steht bestimmt fest: trotz der außerordentlichen Verschiedenartigkeit in den Oberflächenstrukturen von Sprachen beweist nicht das geringste, daß die gleiche Verschiedenartigkeit auch für die Tiefenstrukturen gilt. Forschungen sind allenthalben im Gang, ja, sie haben eigentlich erst begonnen. Der Autor ist bescheiden genug, seine Theorie eine "Theorie" zu nennen. "Heute... gibt es keinen Grund mehr", sagt er im Hinblick auf den "wissenschaftlichen Naturalismus", "ernsthaft einer Vorstellung anzuhängen, die eine komplexe menschliche Errungenschaft insgesamt einigen Monaten (oder höchstens Jahren) individueller Erfahrung zuschreibt, statt den Jahrmillionen der Evolution. oder statt den Prinzipien der Nervenorganisation ..."