Von Heinz H. Verfurth

Düsseldorf

Die "Bla-Bla-Macher" trafen sich zur Manöverkritik: Fünf Tage nach der Wahl kamen die Werbefachleute der drei Parteien zum kreativen Kehraus in das Düsseldorfer "Haus der Wissenschaft". Würden sie in Sack und Asche erscheinen, weil sie alle drei Hoffnungen und Ziele der Parteien nicht voll erfüllt haben? "Billige Schlagwörter der Parteien, apolitische Masse, Offenbarungseid für die Demokratie" – der brancheninterne "Kontakter" einer Düsseldorfer Agentur hatte in seinem Urteil über die Wahlwerbung ’69 mit bissigen Bemerkungen nicht gespart.

Doch von einem Offenbarungseid war bei denen, die die Polit-Propaganda in das Volk gestreut hatten, nichts zu spüren. Sie erläuterten dem kollegialen Publikum ihre Konzeptionen und Kampagnen, die einen mit Stolz, die anderen mit Resignation.

Aber nicht nur Worte charakterisierten im "Haus der Wissenschaft" die einzelnen Parteien: Die Werbeberater selbst waren geradezu wandelnde Beispiele ihrer Auftraggeber. Harry Walter und Harry Lorenz von der ARE-Werbung, die für die SPD arbeitete – zwischen Schnoddrigkeit und Gediegenheit, ganz wie es sich für eine Partei zwischen Opposition und Regierung gehört; Walter Scheele von "Eggert", eine der drei CDU-Agenturen – ganz Würde und Bürde zwanzigjähriger Regierungsverantwortung ausstrahlend und mit sichtlichem Establishment-Gefühl; schließlich Wolfgang Vorwerk, einer der Pünktchen-Setzer für die F.D.P. aus der Team-Werbeagentur – jugendlich-modern vom Scheitel bis zur Sohle, auch etwas intellektuell-kühl.

Im Düsseldorfer "Haus der Wissenschaft" war – direkt und indirekt – vom Verkaufen die Rede. Der Duft von Waschpulver und Pudding schien zuweilen nicht weit. Mit entwaffnender Ehrlichkeit gestanden die Polit-Werber, daß sie den Markt für ihre "Produkte", bevor sie ihre Strategien entworfen haben, ebenso ausforschten, als wenn ein neuer Markenartikel eingeführt würde. Blindwütige Reklame kannten die Werbetechniker in der Wahlkampagne ’69 nicht. Das neue Zauberwort heißt nicht "geheime Verführung", sondern "Zielgruppen".

Nur vor wenigem machten die Image-Schneider halt. Selbst in die tiefsten Seelengründe stiegen sie hinab, um ihre "Ware" richtig an den Wähler bringen zu können. Sie förderten Erstaunliches zutage, helle Farben, ein leuchtendes Orange oder strahlendes Blau, verbanden sich mit Brandt und Schiller, die dunklen Töne dagegen mit Kiesinger und Strauß. Und so geht es dann weiter: Zu Kiesinger assoziiert sich der Museumsdirektor und die Harfe, zu Brandt der Handlungsreisende, die Mandoline und – Margarine.