Von Gisela Stelly

Die Frau, so wurde unlängst im Kursbuch 17 festgestellt, hat nicht nur ein geringes gemein mit dem amerikanisch mutierten Neger, sie ist um ein erhebliches "gemeiner": sie ist Leibeigene. Sie schmarotzt von der Unterdrückung, wenn ihr Mann den Herrschenden angehört. Und physischer und psychischer Verelendung ist sie ausgeliefert, ist ihr Mann selbst das Opfer.

Das Elend der Emanzipation, beklagt, beschrieben, bekämpft und täglich in der von Männern besetzten Welt erfahrbar, haftet aber nicht allein an der gesellschaftlichen Rolle. Es liegt immer noch in der "Natur" der Frau, daß sie weniger verdient, keine Aufstiegschancen hat und so weiter. Wie geringfügig "natur"-bereinigt das Frauenbild in der bürgerlichen Gesellschaft noch immer ist, hat nicht zuletzt wieder einmal die Absenz weiblicher Politiker in den Bundestagswahl-Parteien gezeigt.

Wie materialistisch bestimmbar jedoch die weibliche "Natur" ist, in welchem Ausmaß die Emanzipation bisher nichts anderes gewesen ist als die Anpassung an ökonomische und technische Veränderungen, dokumentiert

Ursula von Gersdorff: "Frauen im Kriegsdienst 1914–1945"; Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte; hersg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt; Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1969, etwa 520 Seiten, etwa 36,– Mark.

Es gibt keine Dokumentensammlung, die die zweifelhafte Emanzipation – herbeigeführt oder beschleunigt durch den Kriegszustand – an Hand von Archivmaterial aus den beiden Weltkriegen so kraß als zweifelhaft bewahrheitet.

Die Industrialisierung, die vielen Männern die Arbeit genommen hatte, zwang die Frauen freilich schon vor dem Krieg, die Kochtöpfe zu verlassen. 1907 gab es bereits dreißig Prozent weiblicher Lohnempfänger. Von 1916 an brauchte die Kriegswirtschaft sie in verstärktem Maße, um Männer für die Front "freizumachen".