Von Willi Bongard

Und wo würden Sie, wenn Sie es noch einmal zu tun hätten, heute Nationalökonomie studieren?"

So oder ähnlich bin ich mehrfach gefragt worden, nachdem ich das Vergnügen hatte, ein Dutzend Universitäten zu bereisen und dabei jeweils einen prominenten Wirtschaftswissenschaftler näher kennenzulernen. Es kann natürlich keine Rede davon sein, daß ich mir auf diese Weise einen wirklich umfassenden Überblick verschafft hätte und mir nun ein fundiertes Urteil über den Rang der Universitäten und die Professoren, die heute Wirtschaft lehren, leisten könnte.

Ich hätte weitere zwei Dutzend Universitäten bereisen und mindestens zehnmal soviel Professoren kennenlernen müssen, um auf die Frage nach der "besten" Universität auch nur halbwegs gewissenhaft antworten zu können. Davon abgesehen habe ich Zweifel, ob es so etwas wie die "beste" Universität überhaupt gibt. Sie gibt es wahrscheinlich ebensowenig wie die "schönste" Frau, wenn dieser Vergleich gestattet ist.

Um bei diesem Vergleich zu bleiben, der sich deshalb anbietet, weil zumindest ältere Semester von ihrer Universität gern als "alma mater" sprechen: Eine verbindliche Auskunft über die "beste" Universität kann es allein schon deshalb nicht geben, weil Professoren sich dem Beobachter in der Regel nicht minder schwer zu erkennen geben als Frauen. Und Universitäten sind nun einmal so gut oder so schlecht wie die dort lehrenden Professoren.

Nach Abschluß eines Studiums ist man regelmäßig klüger als zuvor. Und es soll Professoren – wie Frauen – geben, aus denen man nie klug wird. Was freilich nicht hindert, daß man sie verehrt oder gar für sie schwärmt...

Und dennoch: Wahrscheinlich habe ich schon als Student vor zwanzig Jahren unbewußt den Wunsch verspürt, die "beste" Universität kennenzulernen. Anders kann ich es mir heute jedenfalls nicht erklären, daß ich seinerzeit in zehn Semestern sechsmal die Universität gewechselt habe.