Währungspolitik ist eine Wissenschaft für sich. Nicht nur Laien erscheint sie oft als Buch mit sieben Siegeln, auch Fachleute geraten offensichtlich leicht ins Schwimmen, wenn das Geschehen einmal von der üblichen Norm abweicht.

Am Tage nach der Freigabe des Mark-Wechselkurses gab es an den Sorten-Schaltern der Pariser Banken lange Gesichter. Viele Deutsche, die in Erwartung eines besseren Mark-Kurses den Eintausch der benötigten Franc bis zur letzten Minute herausgeschoben hatten, sahen sich jenseits der Schalter hilflosen oder allenfalls bedauernden Gesichtern gegenüber.

Selbst die großen Pariser Institute standen der "Mark flottant" hilflos gegenüber und stellten den Ankauf von Mark kurzerhand ein.

Als ein erboster Tourist energisch auf einem Eintausch seiner Mark bestand, weil er vor seiner Abreise schließlich seine Hotelrechnung bezahlen mußte, wurde ihm "großzügig" die Mark zum letzten amtlichen Kurs abgenommen. Erfolg: Verstimmung bei dem Touristen, denn inzwischen – zwei Tage nach Freigabe des Mark-Wechselkurses – lag der Franc um rund sechs Prozent unter der bislang amtlichen Parität.

Sollte also die lange Zeit fester, unverrückbarer Wechselkurse selbst internationalen Banken das flexible Denken abgewöhnt haben? Oder hat vielleicht der kleine Profit von sechs Prozent den geheimen Verführer gespielt? mh