Von Wolf Donner

Wer sich heute öffentlich mit der Filmwirtschaft anlegt, tut gut daran, sich vorher einen guten Rechtsberater zu engagieren. Denn diese Branche schießt scharf; sie reagiert mit persönlichen Angriffen, wo immer sie sich kritisiert findet.

Wer also etwa behauptet (wie ich in der ZEIT Nr. 35 vom 29. August 1969), das Angebot an Spielfilmen im Fernsehen werde immer reichhaltiger und qualitativ besser, während die Filmindustrie immer stärker zum Sexfilm ausweiche, der redet "offenbaren Unsinn" und vertritt "Klischee-Ansichten", der macht sich der einseitig gen, unqualifizierten und tendenziösen Berichterstattung schuldig – ein dreister Tor in einem Gestrüpp von "Facts und Logik", das zu durchschauen oder gar zu kritisieren den Herren von der Branche vorbehalten sei. Und außerdem: "Der ganze Sex-Kram im Film wird zu sehr ,hochgespielt‘."

Der also Getadelte und Eingeschüchterte könnte sich darauf beschränken, einen Dialog zwischen den Angreifern selber zu arrangieren: Das meiste hebt sich da gegenseitig auf.

Hier eine Attacke gegen die simple Gleichung Kino gleich Porno-Schuppen und Fernsehen gleich letzter Hort der Filmkunst, dort das zerknirschte Zugeständnis, den Kinos bleibe angesichts der über vierhundert Spielfilme jährlich in den Fernseh-Programmen gar keine andere Wahl, als zu Sex und Crime auszuweichen.

Hier ein Nachholkurs in "Sachkenntnissen" des Fachblattes "filmecho/filmwoche/filmblätter", das die überraschende Neuigkeit mitteilt, in der Filmwirtschaft seien nun einmal Geschäftsleute tätig, deren Produktion "von den jeweiligen Gewinnaussichten" abhänge; dort der Stoßseufzer eines Kinobesitzers über die Situation der privaten Filmtheater-Wirtschaft: "... vom Verleih haben wir wenig zu erwarten, das sind alles nüchterne Geschäftsleute, von der Produktion haben wir gar nichts zu erwarten, die Produzenten verkaufen zum Schluß auch noch ihre Seele."

Die Tendenz einer wachsenden Monopolstellung des Fernsehens im Angebot guter Filme wird keiner leugnen können, der das Programm ein Jahr lang verfolgt hat. Die Filme werden zunehmend besser, die Sendezeiten, günstiger, die Sehbeteiligung größer. Und die Filmförderungsanstalt (FFA) findet das ganz richtig: "Nichts gegen die Ausstrahlung von Kunstfilmen im Fernsehen. Dort werden sie pfleglich behandelt, dort erreichen sie auch ein bestimmtes Publikum." Denn "der Bildschirm eignet sich nun einmal für eine bestimmte Filmgattung".