a) ich begrüße es, Haß angesichts der äußerst beschränkten informationsmöglichkeiten in der ddr zusätzlich Information für den einzelnen geschaffen wird – sei es auch durch westdeutsche amtliche stellen, und sei es mit hilfe so unbedeutender Publikationen wie es die von ihnen und ihren freunden inkriminierten sind, ich vertrete die auffassung, daß mein begriff von persönlicher freiheit in der gesellschaft Westdeutschlands – wie immer unvollkommen und trotz unzähliger provokanter einschränkungen – besser repräsentiert ist als durch regierung und staatsdoktrin der ddr. ich glaube darüber hinaus, daß die von einigen Zeitungen monierte aufrechterhaltung und nährung des "kalten kriegs" durch die maßnahmen des Verteidigungsministeriums eine angelegenheit der regierungen ist (die ich, egal, wo, ablehne und bekämpfe), Verbreitung von Information aber sache von menschen.

b) das (ebenfalls von einigen blättern notierte) Argument hinsichtlich der mao-ausgabe ist mir vollends unverständlich, weil – egal was amtliche stellen mit ihm beginnen mögen – die beschäftigung mit dem buch nur zersetzend auf die hiesigen herrschaftssstrukturen wirken kann, ich glaube dabei aber nicht, daß diese lektüre für die über zeitgemäße denkprobleme informierten von bedeutendem nutzen sein kann.

c) der rowohlt verlag macht geschähe, wo er sie findet, dagegen wende ich mich erst, wo durch diese geschäfte die mir erkennbar förderungswürdigen gesellschaftlichen entwicklungen in frage gestellt werden.

zwischen heutigem kapitalismus und doktrinären Sozialismus kann ich mich aber nicht entscheiden. ich wende mich gegen beide, sollte durch den verlauf der geschichte eine solche entscheidung von mir gefordert werden, so werde ich mich auf jene seite stellen, die mich auf einen Pluralismus einschränkt, mir jedoch erlaubt, mich durch theoretische analysen über ihn zu erheben, und gegen die, welche mich physisch nötigt und durch doktrinen in der entfaltung meines denkens hindert, ich treffe diese feststellung in der einsieht, zugunsten der kürze dieses schreibens eine krasse Vereinfachung vorgenommen zu haben.

d) für die mitbestimmung eines jeden Herstellers, lektors und selbstverständlich autors in den Verlagen bin ich unter der einschränkung, daß der mitbestimmende zu seiner mitspräche qualifiziert ist. wer jedoch unter Produktion von literatur vorwiegend das herstellen und verkaufen von büchern versteht, zeigt mir einen entscheidenden mangel an qualifikation (so verstehe ich aber ihren entwurf, der den autoren bloß ein viertel der mitbestimmung einräumen möchte), ich kann nicht glauben, daß man lektor eines verlags oder hersteller ist, weil man einzig dazu von der natur gerüstet ist oder durch die umstände des kapitalismus dazu gezwungen; mithin erwärme ich mich nicht für die abstrakten interessen eines standes an seiner eigenen entwicklung – sehr wohl aber könnte ich es für personen, wenn ich an ihrer qualifizierung keinen Zweifel hege.

aus eigener erfahrung weiß ich, daß auch im kapitalismus ein breiter raum für die initiative des einzelnen ist: wäre das lektorat des rowohlt verlags hinreichend qualifiziert, so fände diese in frage stehende mitbestimmung meiner meinung nach seit langem statt, ja sie wäre sogar – was dann aber bloße formalität wäre – hinreichend durch verbriefte Statuten geregelt.

e) kategorisch lehne ich ab, durch "literaturproduzenten" vom schlage der benseler und boelich vertreten zu sein, für mich ist die frage der guten literatur eine frage der qualität der autoren; in der literatur verstehe ich unter qualität in erster näherung. die Überwindung (oder doch wenigstens den interessanten versuch dazu) von bestehenden denkschemata, die Schaffung neuer kalküle – nicht aber die mehr oder weniger geschickte anwendung längst bestehender, der beweis, daß die "neue linke" in diesem sinn qualitäten hervorgebracht hat, ja auch nur ein argument, daß sie es in Zukunft werde, steht meiner meinung nach aus, im gegenteil interpretiere ich den ephemeren gesinnungskitsch der neuen linken buch- und zeitschriftenproduktion als bedrohung fortschrittlicherer denksätze und dadurch eben auch als bedrohung der eben erst im entstehen begriffenen neuen literatur: die naivdreiste einseitigkeit vieler linker autoren als bedrohung von Schriftstellern, die sich in besserer Übereinstimmung mit der zeit befinden.