De-facto-Aufwertung und Regierungsbildung lösten unmittelbar nach dem Wahltag einige "Angstverkäufe" bei den Aktien aus. Die Renten gerieten unter Druck, weil sich Ausländer von den auf Mark lautenden Auslandsanleihen trennten. Die relativ rasche Zurücknahme der Anleihekurse bremste aber die Verkaufsneigung. Immerhin ist das Renditeniveau bei vielen Emissionen über 8 Prozent hinaus gestiegen. Zu Beginn der neuen Woche zeichnete sich aber bereits ein Ende der Zinsbewegung ab.

Bei den Aktien gab es schon gegen Schluß der Vorwoche Anlagekäufe. Als feststand, daß die Aufwertung der Mark zwischen 6 und 8 Prozent liegen wird – und nicht bei den gefürchteten 10 bis 12 Prozent, glaubte man, daß die deutsche Börse das Schlimmste überstanden hat. Dabei geht man davon aus, daß die neue Bundesregierung die vierprozentige Exportsteuer sofort abschaffen und daß es möglich sein wird, die Lohnsteigerungen zum größten Teil in den Preisen unterzubringen.

Auch die Fonds hielten eine weitere Kaufzurückhaltung nicht mehr für angebracht. "Was soll noch geschehen, um deutsche Aktien unter Druck zu setzen?" Mit dieser Frage, die mehr einer Feststellung gleicht, werden die Käufe deutscher Aktien begründet. Die daraus resultierenden Kurssteigerungen gehen auf die seit Monaten bestehende Marktenge zurück. Anders als bei der Aufwertung 1961 verlassen diesmal die Ausländer keineswegs fluchtartig die deutschen Börsen. Sie halten wie die deutschen Aktienbesitzer an ihren Beständen fest. Nicht zuletzt deshalb, weil sich nirgends in der Welt eine bessere Anlagealternative anbietet. K. W.