Bochum Bis zum 18. Oktober, Galerie Kückels: "Roy Lichtenstein"

Die beiden neuesten Graphik-Serien von Lichtenstein, Farblithographien nach der "Kathedrale von Rouen" und dem "Heuschober" von Monet, haben in Bochum europäische Premiere. Die kleine und aktive Galerie Kückels ist dem gesamten progressiven Kunsthandel zuvorgekommen. Monets Experiment, das gotische Skelett konstant durch den Ablauf der Stunden und das wechselnde Licht zu halten und zugleich in farbige Vibration aufzulösen, wird von Lichtenstein aufgegriffen, wiederholt, auf sechs Stadien aus der gesamten spektralen Skala reduziert, und was theoretisch aussichtslos erscheint, das große Lehrstück des Impressionismus ins robuste undifferenzierte Rastersytem zu übersetzen, das bringt Lichtenstein zustande. Seine großen Kathedral-Blätter (1,20 m hoch) von 1969 sind das Beste, was er druckgraphisch bisher gemacht hat. Daß ihm die "Heuschober" nicht so gut geraten, daß die Flächenvibration sich nicht einstellt, liegt weniger an Lichtenstein als an dem allzu kompakten Motiv und dem malerischen Impasto, die sich der graphischen Transposition widersetzen.

Essen Bis zum 31. Oktober, Galerie Thelen: "Erro"

Malerei als Protest, politische Aggression. Erros "Schweinebucht" hat einen Ehrenplatz im Museum von Havanna. "American Interior" ist Titelbild des Dokumentationsbandes "Kunst ist Revolution", acht Bilder dieser 1968 entstandenen Serie sind in Essen ausgestellt. Imaginärer Vietcong stürmt amerikanisches Komfortbadezimmer und Wohnküche. Der Isländer Erro (Gudmundur Gudmundson) will sich den Massen verständlich machen, protestiert mit Pop-Brutalität und Comic-Stil auch gegen die formalen Werte tradierter Malerei, läuft Amok gegen die Päpste der modernen Kunst, die großen Abstrakten von Kandinsky abwärts, polemisiert in einer Serie von 1965 "Les peintres et les modeles" gegen kunsthistorische Klischees, stellt faschistische Greuel in deutschen Barockkirchen dar und endet bei den positiven Helden der kubanischen Revolution. Ein wichtiger Beitrag zur Problematik des engagierten Künstlers, der über den sozialistischen Realismus hinaus ist und auf der Suche nach einer schärferen künstlerischen Waffe eine Art sozialistischen Surrealismus inauguriert. Gottfried Sello

Weiterhin im Programm:

Hamburg Bis zum 19. Oktober, Kunsthalle: "Meisterwerke der Graphik"

150 Blätter aus dem Kupferstichkabinett, von Wolf Stubbe ausgesucht unter dem Motto "40 Große Graphiker zwischen 1450 und l950".