Von Rolf Diekhof

Onassis unterbrach seinen Honigmond mit Jacqueline, und Griechenlands oberster Obrist, Papadopoulos, eilte aus dem hohen Norden in seine Hauptstadt; die "Bank of Nova Scotia" stellte einen Barscheck über zwanzig Millionen Dollar aus, und Terroristen verschickten Liebesgrüße: Rund zwanzig Bomben explodierten in diesem Jahr in Athen, davon eine im Büro der Onassis-Fluglinie "Olympic Airways".

Provoziert wurde die ganze Aufregung durch die größte Industrieinvestition in der griechischen Geschichte. Doch zum Schluß, nach fast einem Jahr Kabale und Skandale, beschied das Regime der Obristen die Wettbewerber mit einem dürftigen – "akarpos" – fruchtlos.

Als fruchtlos empfanden die Obristen den Wettbewerb von vier Konkurrenten um die Superinvestition, eine Ölraffinerie kombiniert mit diversen anderen Investitionen. Die vier waren: Onassis und Niarchos, levantinische Finanzjongleure, deren privates Nettovermögen so um zwei Milliarden Mark liegen soll (genau weiß das niemand, die beiden eingeschlossen), sowie ein griechisches Konsortium und ein Konsortium von BP, Shell und Mobiloil.

Daß die Sache "fruchtlos" ausging, ist nur für einen der Konkurrenten wirklich betrüblich: für Aristoteles Sokrates Onassis. Denn er war als erster am Ball, witterte als erster frischen Profit von den armen Griechen – etwa 80 Millionen Mark im Jahr. So hoch wird der Gewinn geschätzt, der alljährlich aus der Erdölraffinerie fließt.

Es gibt in Griechenland bisher nur zwei kleine Raffinerien. Die dritte Raffinerie soll im Jahr sieben Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten. Wer die Raffinerie baut, soll gleichzeitig die Lizenz für den Betrieb und für die Lieferung des Rohöls für einen Zeitraum von zehn oder zwölf Jahren bekommen. Der Tankerkönig Onassis würde an der Raffinerielizenz gleich doppelt verdienen: bei Öltransport und Ölversorgung sowie am Betriebsgewinn der Raffinerie.

Der untersetzte Levantiner türkisch-argentinischer Herkunft hatte diese Millionen eigentlich schon im Oktober vorigen Jahres in der Tasche. Denn Onassis versteht es ganz vorzüglich, mit den Obristen Geschäfte zu machen. Daß diese Geschäfte für Griechenland gar nicht vorzüglich sind, weiß jedermann – auch die Obristen. Daß sie dennoch gemacht werden, hat einen einleuchtenden Grund: Die Obristen haben die Macht, aber kein Geld.