Was in den sozialdemokratischen Perspektiven vor der Wahl noch "von grundlegender Bedeutung für die Bewältigung der Aufgaben" im Übergang zu den siebziger Jahren war, wurde nach der Wahl auf Kosten und Rechnung kleinster Koalitionsarithmetik aufs Abstellgleis rangiert – die Mitbestimmung, ob qualifiziert oder nicht. Man stelle sich optisch vor: Ex-Gewerkschaftsführer Leber, bisheriger und wohl auch künftiger Verkehrsminister, reist mit dem Köfferchen durch die Lande, um seinen ehemaligen DGB-Kollegen das auszureden, wofür sie notfalls sogar streiken wollten.

Und die mächtigen Bosse kuschten sogleich vor dem Machtwechsel in Bonn. Otto Brenner sogar, eher links- als rechtsverdächtig, gab der zarten Bonner Koalitionspflanze obendrein telegraphisch seinen Segen und der FDP damit einen Persilschein für die Zukunft. Zwar beriet man bescheiden Vorschläge zum Ausbau des Betriebsverfassungsgesetzes, dafür aber strich die FDP jenen Satz im Koalitionspapier, der unverbindlich besagte, die Frage der qualifizierten Mitbestimmung werde erst nach dem Bericht der zuständigen Expertenkommission behandelt.

Es klang denn auch eher wie ein müder Abgesang, als der DGB-Vize Tacke am Wochenende erklärte, "für uns ist die qualifizierte Mitbestimmung nicht vom Tisch, sondern sie bleibt weiter in der Diskussion". Auch Bernhard Tacke hat wohl einsehen müssen, daß über die Mitbestimmung nun keine Mehrheit, sondern eine Minderheit von eben fünf Prozent mitbestimmt. Ja, so ist es mit der Mitbestimmung. hff.