Von Willi Bongard

Es ist nicht mehr zu bestreiten, daß Köln die heimliche Hauptstadt des deutschen Kunsthandels ist", hieß es kürzlich in den Spalten des – in Düsseldorf (!) erscheinenden "Handelsblattes". Dieser Behauptung, die wir selbst vor anderthalb Jahren zum erstenmal gewagt haben ("Ein Hauch von 57. Straße – Köln, die heimliche Kunsthandelsmetropole", Die ZEIT Nr. 3 vom 19. Januar 68) muß heute energisch widersprochen werden: Köln ist längst von einer heimlichen zu einer "unheimlichen" Kunstmetropole geworden.

Wer sich selbst durch Augenschein davon überzeugen möchte, dem bietet sich die beste Gelegenheit hierzu zwischen dem 14. und 19. Oktober. Nirgendwo sonst in der Welt – nicht einmal in New York – werden zu dieser Zeit mehr Sammler, Kunsthändler, Kritiker Museumsdirektoren, Künstler und – last not least – Kunstwerke auf engerem Raum versammelt sein als eben im Umkreis des Kölner Doms.

Im Mittelpunkt des Geschehens in der kommenden Woche wird selbstverständlich der Kölner Kunstmarkt stehen, der nun schon zum dritten Male seine Tore öffnet. Zwischen dem 14. und 19. Oktober fügen sich in den Räumen der Kunsthalle am Neumarkt die Splitter der westdeutschen Kunst(handels)landschaft aus Berlin, Frankfurt, München, Hannover, Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg zu einem halbwegs geschlossenen Ganzen zusammen. Für sechs Tage (von jeweils 10 Uhr bis 21 Uhr) wird der Provinzialismus der westdeutschen Kunstszene in Vergessenheit geraten.

Zweiundzwanzig deutsche Galerien werden in der Kunsthalle das zeigen, was heute in der bildenden Kunst als "modern" angesehen wird. Obendrein wird als Egänzung unter dem gleichen Dach (im Kunstverein) eine von dem Kölner Galeristen Rolf Ricke im Auftrag seiner Kollegen organisierte Ausstellung "Eine Tendenz zeitgenössischer Malerei" zu sehen sein, die erstmals mit einer der neuesten Kunstrichtungen bekannt machen soll, wie sie vor allem von jungen amerikanischen Malern vorgetragen wird.

Die deutschen Galerieinhaber, die dem Verein progressiver Kunsthändler angehören (18) oder als Gäste am Kunstmarkt teilnehmen (4), haben auch diesmal wieder keine Kosten und Mühen gescheut, ein möglichst reichhaltiges und qualitätvolles Angebot zusammenzutragen. Vor vierzehn Tagen noch konnte man etlichen der ehrgeizigsten deutschen Händler (Zwirner, Friedrich, Müller, Stünke und Springer) in Manhattan begegnen, wie sie sich auf der Suche nach frischer Ware die Hacken abliefen und die Lagerräume führender New Yorker Avantgardegalerien (Castelli, Janis, Emmerich, Bellamy, Bykert, Dwan, Fischbach, Cooper) durchstöberten.

Der unermüdliche Rudolf Zwirner brachte von seiner Reise einige große Bilder und Skulpturen der inzwischen schon als "klassisch" geltenden Pop-Meister Lichtenstein, Warhol, Wesselmann und Segal mit. Außerdem gelang es ihm, Bilder von Noland und Louis aufzutreiben, die ebenfalls im Range von modernen Meistern (der Neuen Abstraktion) stehen. Auf seinem Stand wird es daneben wichtige neue Arbeiten von Dubuffet, Klapheck, Richter, Tapies, Twombly, Fontana und Tinguely zu sehen geben.