Von Werner Höfer

Plisch und Plum, das ungleiche Bonner Paar Schiller/Strauß, das sich in der Pubertätszeit der Großen Koalition leidlich zusammengerauft hat, sind getrennt von Tisch und Stuhl. Sie haben Nachfolger gefunden, in Düsseldorf: Heinz Kühn (SPD), Ministerpräsident einer Kleinen Koalition und sein Innenminister Willi Weyer (FDP) haben Geschichte gemacht als Weichensteller und Helfershelfer. Beide haben die ersten Schritte gewagt, die ersten Wörter gesagt, die ersten Drähte gezogen, die ersten Kontakte geschaffen, um das Düsseldorfer Modell als Muster für Bonn zu empfehlen.

Beide wissen mehr über den Gang der Dinge als irgend jemand sonst, beide sagen aber auch mehr, weil sie in keinem Augenblick irgend etwas werden wollten, obwohl Heinz Kühn und Willi Weyer umworben wurden, von der "Provinz" in die "Metropole" rheinaufwärts abzuwandern. So waren es die Sozialdemokraten in Bonn, die den gestandenen Liberalen aus Düsseldorf gern zum Bundesinnenminister gemacht hätten. Aber Willi Weyer wollte bleiben, was er ist: Mitregent an der Seite des gegenwärtig stärksten Landesfürsten.

Das Mende-Trauma, von dem die FDP zur Zeit stigmatisiert ist, verfolgt auch den Mende-Freund und Mende-Helfer Willi Weyer auf Schritt und Tritt, und es klingt mehr melancholisch als ironisch, wenn der Freie Demokrat aus Düsseldorf an die Bonner Vorgänge von 1966 erinnert, als Erich Mende noch Parteivorsitzender war:

"In der letzten Phase eines Gespräches, an dem auch Heinz Kühn und ich teilgenommen haben, hat Dr. Mende der SPD eine Koalition angeboten auf der Basis von nur sechs Mandaten Mehrheit. Damals bezeichnete er, wie auch andere Parteifreunde, diese Mehrheit als ausreichend, wenn die Partner entschlossen seien, gemeinsam Politik zu machen."

Mit historischen Erinnerungen muß sich auch Kühn abgeben, denn die CDU sagt ihm nach, er habe selbst einmal im Lande Nordrhein-Westfalen als Chef der stärksten Partei eine Koalition der beiden kleineren Parteien bekämpft. Dazu der Widersacher von damals und "Königsmacher" von heute:

"Da gibt es überhaupt nichts Vergleichbares, weder der Zahl noch der Sache nach. Der Abstand zwischen SPD auf der einen und CDU plus FDP auf der anderen Seite betrug und beträgt im Düsseldorfer Landtag nur zwei Sitze. Das würde, wenn man überhaupt eine solche Milchmädchenrechnung anstellen will, auf Bonner Dimensionen übertragen, eine Differenz von fünf Mandaten ausmachen, wohingegen es in Wirklichkeit zwölf sind. Im übrigen haben wir Sozialdemokraten bei der letzten Landtagswahl nahezu die absolute Mehrheit errungen, was die CDU auf Bundesebene zwar erträumt, aber nicht im Traum erreicht hat."