Von Manfred Sack

Kaufmann könnte er sein, Lehrer sicherlich und nebenbei Bergführer, vielleicht auch Hotelier in der Bezirksstadt, vielleicht auch Straßenbauingenieur. Daß er manches, vor allem aber Campingplatzbesitzer ist, fällt anfangs schwer zu glauben: So ungeheuer seriös, denkt man, sieht, ein Campingplatzbesitzer nicht aus. "Und der größte Profit", war eben von der Ostsee zu lesen, "springt immer noch heraus, wenn man aus einer Weide einen Campingplatz macht. Pro Wagenplätzchen zahlt der sonnenhungrige Urlauber 3,50 Mark täglich oder 19,25 Mark in der Woche".

So macht man das: Bei gar keinen oder minimalen Investitionen einen Riesengewinn aus einem Stück Land ziehen, indem man sonnenhungrige Urlauber dort sich pferchen läßt. Hochbetrieb am Busen der Natur. Doch auch der Nachweis, daß man in manchen Gegenden für drei Mark fünfzig schon ein Bett unter festem Dach beziehen kann, ist die vergebliche Art, Zeltende zu domestizieren: "Zwanzig Millionen Campingübernachtungen hat der Deutsche Camping-Club in München für die Saison 1969 allein in der Bundesrepublik errechnet. Damit haben die Camper einen neuen Rekord aufgestellt. Im vorigen Jahr wurden nur siebzehn Millionen Übernachtungen gezählt." Da muß man ja Campingplatzbesitzer werden!

Die Beutelschneider jedenfalls bestimmen die Vorstellung von einem Campingplatzbesitzer, daher die vielleicht auch alberne Überraschung, daß Norbert Schluga senior einer ist.

Er ist zunächst etwas ganz anderes gewesen: Handelsschulabiturient, Offizier, nach dem Krieg Landwirt, Gastwirt, Kaufmann, Landmaschinenhändler, Rationalisierungsberater und zuletzt tatsächlich: Campingplatzbesitzer. Daß die beiden Kärntner Plätze – der eine in Schlugas Heimatdorf Obervellach, der andere oberhalb des Presseggersees, beide bei Hermagor im Gailtal – zu den zehn oder zwanzig besten in ganz Europa gerechnet werden, wundert den nicht mehr, der diesen ungewöhnlichen Verpächter von freier Natur kennengelernt hat.

Wie wird man Campingplatzbesitzer? "Ich zelte ja selber, so seit 1949", sagt Schluga. "Damals war halt mal ein Urlaub fällig." Zusammen mit dem Bruder fuhr er los mit Motorrad und Zelt. Da habe er, erzählt er, viel beobachtet und viel gelernt und schließlich gemerkt, "daß unser Klima eigentlich ganz gut dafür ist" und der Boden hinter dem Gasthaus auch: "Zehn Zentimeter Ackerkrume, mit Steinen durchsetzt, darunter gleich der Fels, das Regenwasser läuft schnell ab."

Fünf Jahre darauf hatte er die ersten Zelte im Obstgarten, mit Leuten, die er unterwegs kennengelernt und eingeladen hatte. Einer schrieb darüber einen Zeitungsartikel, ließ ein Photo vom photogenen Hermagorer Hausberg, dem Gartnerkofel, dazu drucken: Im nächsten Jahr waren schon mehr Gäste im Garten. Man wusch sich an einem Brunnen, das war damals so. Bilanz von 1959: fast zweieinhalbtausend Übernachtungen.