Wie kann man zum Beispiel gegen das Phantastische und Groteske polemisieren und zugleich im Namen des "Neuen Realismus" 6"Verunsicherung", "unkontrollierbare Verschiebung des Realen ins Imaginäre" fordern? Das Imaginäre wird der Imagination nicht entraten können. Und das Unbewußte, das Wellershoff an anderer Stelle beschreiben will, hängt mit dem Imaginären und Phantastischen eng zusammen, wie bereits Freud erklärt hat.

Nicht unwichtig erscheint mir die Antwort, die Wellershoff auf die Frage nach der sozialen Funktion des Schriftstellers bereit hat. Sie bezieht sich gerade auf die sozial angefochtene Subjektivität. Durch sie wird die Literatur, wie Wellershoff es ausdrückt, "Platzhalter der Utopie": "Indem sie die gesperrten und verstümmelten Kapazitäten des Menschen deutlich macht, zeigt sie den Preis der herrschenden Praxis und zugleich das Potential möglicher Veränderung." Damit schließt sich Wellershoff unbewußt oder bewußt an Gedanken an, die Adorno einmal in seinem Aufsatz über Valéry, "Der Artist als Statthalter", äußerte. Dieser – vielleicht schon vergessene – Essay wollte der "sturen Antithese von engagierter und reiner Kunst zu Leibe rücken", die heute wieder unverhoffte Blüten in der jüngeren Generation treibt.

Wellershoff befindet sich überdies, in seiner Verteidigung der Subjektivität, in bester Gesellschaft, nämlich der Baudelaires, der in "Mon coeur mis à nu" schreibt: "Es gibt keinen Fortschritt als im Individuum und durch das Individuum selbst."

Fragt sich nur, wie lange die Öffentlichkeit der industriellen Gesellschaft, dem schriftstellernden Individuum noch gestatten wird, eines zu sein.