Von Wolfgang Paul

Südafrika ist neuerdings von Mitteleuropa aus im Nonstopflug schneller erreichbar: die "Alitalia" fliegt die Strecke Rom–Johannesburg mit der DC 8, einmal in der Woche, in neuneinhalb Stunden ohne Zwischenlandung seit Ende Juni. Bisher waren die sechs Flüge, die wöchentlich Südafrika mit Europa verbanden, vor allem für Geschäftsreisen und Verwandtenbesuche ausgebucht. Jetzt gewinnt der Touristenverkehr mehr und mehr an Bedeutung. Ein verlängertes Wochenende in Johannesburg und im Krüger-National-Park werden als touristische Attraktion angepriesen.

Johannesburg, die "Golden City", eingefaßt von den gelben Halden der Goldminen, ein Mini-Manhattan mit zahllosen Hochhäusern und 1,2 Millionen Einwohnern, das größte Handelszentrum Afrikas, ist erst 80 Jahre alt. Hier steht das größte und luxuriöseste Hotel Afrikas, "The President" mit 24 Stockwerken. Der Reichtum Südafrikas ist hier zu besichtigen, eine elegante und extraordinäre Welt aus Luxus und Gediegenheit. Im "Nachtclub 6000" wird vor der Kulisse der erleuchteten Fenster vieler Wolkenkratzer getanzt. Im Goldenen Saal gastiert Frank Sinatra junior. Die kürzesten Miniröcke der Saison, die teuersten Pelze der Welt sind hier zu besichtigen: es ist Winter in Südafrika, warm scheint die Sonne tagsüber, nachts ist es herrlich kühl.

Pretoria, das Washington der Südafrikanischen Republik, baut sich eben ein riesiges Opernhaus. Das Verwaltungszentrum des Landes mit den Regierungsbauten und dem winzigen Paul-Krüger-Haus, in dem der legendäre Präsident der Burenrepublik Transvaal um die Jahrhundertwende seine Landsleute empfing, ist in ausgedehnte Parkanlagen eingebettet. Im Boulevardhotel weist deutsches Personal, das man in der südafrikanischen Hotellerie häufig antrifft, die Tische zu. Die deutschen Kellner kommen meist aus Südwestafrika und seiner Hauptstadt Windhuk. Die deutsche Sprache ist in Südafrika noch zu Hause.

Die Preise entsprechen denen in der Bundesrepublik, der Lebensstandard ist für "den weißen Mann" ebenso hoch. Die Apartheid fällt im Stadtbild wenig auf; Schwarz und Weiß kaufen in denselben Geschäften ein. Draußen vor den Goldminen reglementiert die anachronistische Rassenpolitik der Südafrikanischen Republik das Leben. Bantus und "Mischlinge" wohnen in eigenen, für sie errichteten Trabantenstädten, die unaufhörlich wachsen. Vor allem während des letzten Weltkrieges kamen die Bantus nach Johannesburg und in andere Städte, als sie für die Industrie gebraucht wurden. Jetzt baut ihnen Südafrika Getto-Distrikte, die kein Weißer betreten darf.

Bei einem Ausflug zum Krüger-National-Park kann man die Politik erst einmal vergessen. Der Krüger-Park ist siebzig Jahre alt. Er umfaßt ein Gebiet, das so groß ist wie ein Drittel der Schweiz. Hier gibt es nur sogenannte Camps, sieben an der Zahl, keine Dörfer. Aber hinter dem Sperrzaun erwartet den Touristen fast jeder Komfort. Das menschenleere Land, durchzogen von großen Flüssen, begrenzt vom Lempopcgebirge, das den Nationalpark gegen Mozartbique abschirmt, ist ein Tierparadies. Elefanten, Leoparden, Zebras, Antilopen, Flußpferde, Löwen und Warzenschweine lassen sich von den Touristen bestaunen, die die weiten Strecken zwischen den einzelnen Camps im Wagen zurücklegen.

Das Verlassen des Autos ist nur an Rastplätzen gestattet. Wer eine Panne hat, muß im Wegen ausharren, bis er gefunden wird. Rennfahrer müssen hier Zurückhaltung üben, denn an jeder Kurve können Tiere auftauchen, die immer Vortritt haben. Wir hielten zum Beispiel eine halbe Stunde an, wegen eines Elefanten, der die Strafe sperrte. Wer fordert schon gern einen Elefanten auf, die Straße freizugeben.