Es kommt: eine Buchmesse, vor der viele Angst haben, denn die Konfrontation zwischen dem "Establishment" (vertreten etwa durch die Gremien des Börsenvereins) und der "Revolution" (vertreten etwa durch den Ausschuß der Literaturproduzenten) scheint unausweichlich.

Es kommt allerdings doch noch: ein Messerat, der der Messeleitung nicht nur beratend beistehen soll; der Verband deutscher Schriftsteller, der Journalistenverband, die Gewerkschaft Banken, Handel und Versicherungen sowie die IG Druck und Papier haben ihre Mitarbeit zugesagt, sogar die Literaturproduzenten entsenden einen Vertreter.

Es kommt nicht: die Polizei, weder auf das "Messegelände" noch auf das "Gelände der Buchmesse" – es sei denn, es passierten kriminelle Handlungen; das hat die Messe- und Ausstellungs-GmbH verbindlich zugesagt.

Es kommen: 2043 Einzelaussteller, 56 mehr als im Vorjahr; aber es kommen nicht: rund 20 Verlage, die sich an der ihnen nunmehr "zu liberalen" Messepolitik stoßen.

Es kommen: Diskussionen, deren Gegenstände abzusehen sind.

Einmal wird es um die diversen Affären der letzten Zeit gehen. Um den Goldmann-Verlag, dessen innerbetriebliche Zustände mit Grausen genannt werden dürften. Um den jämmerlichen Zusammenbruch des linken Heinrich-Heine-Verlags und um die erfreulicheren Erfahrungen mit Karlheinz Brauns "Verlag der Autoren". Um das neue Verlagsimperium, das durch den Kooperationsvertrag zwischen der Holtzbrinck-Gruppe, der Econ-Gruppe und dem Verlag Droemer Knaur entstanden ist; um die Folgen dieser und sicherlich kommender ähnlicher Zusammenschlüsse, gesellschaftspolitisch und für die Überlebenschancen kleinerer Verlage. Um die Zukunft des Rowohlt Verlags, der sich aus politischen wie persönlichen Gründen nun endgültig von seinem Cheflektor Fritz J. Raddatz getrennt hat und dem bisher 22 Autoren ankündigten, sie würden ihn möglicherweise verlassen, wenn die Geschäftsführung Mitbestimmungswünsche grundsätzlich ausschlage. Ledig-Rowohlt wird sie kaum ausschlagen; er will die Stellung des Lektorats stärken und beweisen, daß sein Verlag keinen Rechtsrutsch durchmacht; für Raddatz nimmt er den sehr gemäßigten Verleger Matthias Wegner in die Geschäftsführung auf, der gleichzeitig seinen Christian Wegner Verlag unabhängig weiterführen will. (Eine Stellungnahme von Oswald Wiener zu dem ganzen Rowohlt-Komplex veröffentlichen wir auf Seite 14.)

Es werden, als Lichtblick, auch kommen: Diskussionen um den Verlag Bärmeier & Nikel, der soeben freiwillig seinen Angestellten und Autoren "spezifische Mitbestimmungsrechte" eingeräumt und beschlossen hat, die Mitarbeiter mit 40 Prozent am Ertrag des Buchverlags zu beteiligen, in der richtigen Erkenntnis: "Die Zeit des allein-besitzenden und allein-herrschenden Privat-Unternehmers läuft ab. Dieser Prozeß vollzieht sich besonders schnell und am ehesten sichtbar in den Branchen, in denen die Funktion des Unternehmers nicht in der Bereitstellung kostspieliger Produktionsmittel besteht, sondern in der Koordination und der Distribution von kreativen Leistungen ..."