Von Hartwig Meyer

Elmar Altvater: „Die Weltwährungskrise“; Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt 1969; 149 S., 9,– DM.

Man kann alles umfunktionieren – auch ein so technisch kompliziertes und unpolitisches Gebilde wie das Weltwährungssystem. Elmar Altvater, dem währungspolitischen Wanderprediger der Linken, ist das gelungen. In seinem Buch kommt er nicht nur zu dem Schluß, daß das System von Bretton Woods in erster Linie den imperialistischen Interessen der Vereinigten Staaten dient, er sagt auch einen Zusammenbruch des Währungsgebildes voraus. Seine Argumentation ist verblüffend und einfach zugleich:

„Der Kapitalismus braucht zur expansiven Entfaltung einen expandierenden Weltmarkt und daher auch ein funktionierendes Weltwährungssystem. Das Weltwährungssystem kann aber nur funktionieren, wenn der Kapitalismus krisenfrei expandiert.“ Man braucht also nur zu beweisen, daß der Kapitalismus nicht krisenfrei expandiert, und schon kann Bretton Woods in den Orkus geworfen werden.

Für Altvater, wie einst für Marx, ist „die kapitalistische Entwicklung – nicht nur Akkumulationsprozeß, sondern gleichzeitig auch Prozeß der Konzentration und Zentralisation von Kapitalen“. Wenn das so ist, wenn die kapitalistischen Konzerne unter dem Zwang zur Größe und zum weltweiten Monopol stehen, müssen „Produktionskraft und Konsumtionskraft im Rahmen antagonistischer Verteilungsverhältnisse unvermeidlich in Widerspruch geraten“.

Altvater meint nichts anderes damit, als daß die geschwinde wachsenden Superkonzerne eines Tages auf ihren Waren sitzenbleiben. Die alte marxistische Überproduktions- oder Unterkonsumtionstheorie feiert fröhliche Urständ, und zwar in globalem Maßstab. Für den linksideologischen Währungsexperten steht einfach fest, daß die Weltkonzerne eines Tages zu viele Autos Kühlschränke oder Fernsehapparate produzieren und keine Käufer dafür finden.

Warum sie in diese Klemme kommen werden? Altvater nimmt einfach an, daß „die Konsumtionskraft der Gesellschaft nicht entsprechend der Steigerung der Arbeitsproduktivität“ steigt und so „notwendigerweise Produktionskapazitäten freigesetzt werden“. Mit anderen Worten, die Kapitalisten geben dem Arbeiter nicht das, was ihm zusteht. Die auf diese Weise gehorteten Waren- und Kapitalüberschüsse versuchen sie nun auf den Weltmärkten anzulegen, wo es dann eines Tages auch zu einem unheilvollen Überfluß kommen muß.